Woher ist der Brauch des Weihnachtsbaumes - ist er ein christliches Symbol?

Kritiker des christlichen Glaubens und Zeugen Jehovas, aber auch manche Pfarrer, verneinen die Frage. Sie sagen, der Brauch des Weihnachtsbaums stamme aus vorchristlicher Zeit und leite sich aus der Verehrung von heiligen Bäumen und der Natur her. Ja, es hat solche heidnischen Kulte gegeben, aber eine durchgehende Linie hin zum Weihnachtsbaum kann nicht aufgezeigt werden. Und selbst wenn eine seiner Vor-Wurzeln von daher rühren sollte, so hat das keinen Einfluss auf das christliche Entstehen und Verständnis des Weihnachtsbaum-Brauches genommen.

 

Zu allen Zeiten haben die Menschen zu besonderen Anlässen, Feiern und Festen ihre Plätze und Häuser mit grünen Zweigen und Blumen geschmückt. Dabei wurde den Zweigen und Blumen oft auch eine symbolische Bedeutung gegeben. Das ist nicht speziell heidnisch. Religiös-gleichnishaftes in der Natur zu erkennen oder sich ihrer zu bedienen ist ein Teil der natürlichen Gotteserkenntnis (Röm. 1, 20). Zur heidnischen Naturreligion wird es erst, wenn Gott der Schöpfer mit seinen Werken der Natur gleichgesetzt wird und die Naturdinge selbst verehrt werden.

 

Im Folgenden sollen die christlichen Wurzeln des Weihnachtsbaum-Brauches aufgezeigt werden.

 

Der syrische Kirchenvater Ephraem (306 - 377) berichtete, dass am 6. Januar, dem Weihnachtstermin der Ost-Kirche, die Christen ihre Häuser mit grünen Kränzen schmückten. - Ein Zeichen der Freude über die Geburt Jesu, unseres Erlösers und seines Sieges über Sünde, Tod und Teufel.

 

Im Mittelalter wurden alle Feste mit „Meyen“ geschmückt (Pfingstlied „Schmückt das Fest mit Maien“). Das waren Eichen- und Birkenzweige, in der winterlichen Weihnachtszeit wurden die immer-grünen Zweige von Buchsbaum, Wacholder und Tannen verwendet. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich zur weihnachtlichen Ausschmückung der Häuser das Tannengrün durch („Weihnachtsmeyen“). Das Immergrün der Tanne soll die Unsterblichkeit symbolisieren, die uns Christus schenkt. Wie schön wäre es, wenn mit diesem Gedanken das Lied „O Tannebaum“ gesungen würde.

 

Am 24. Dezember wurden im Mittelalter vor den Kirchen Paradies- und Krippenspiele aufgeführt. Sie begannen mit der Paradiesgeschichte und dem Sündenfall. Da wurde ein grüner Baum mit daran hängenden Äpfeln als Paradiesbaum aufgestellt. Um auf die geschehene Versöhnung Christi hinzuweisen, wurden neben den Äpfeln auch Hostien aufgehängt. Der Apfel brachte den Tod, die Hostie Christi das neue Leben – der Baum des Lebens – ein Weihnachtsbaum. Aus dem 17. Jahrhundert hören wir, dass dem Baum auch Kerzen aufgesteckt wurden. So wurde er zum „Lichterbaum“, der verkündete, „das Licht scheint in der Finsternis“ und „Christus ist das Licht der Welt“. Das hatte im 17. Jahrhundert nichts mehr mit den vorchristlichen Sonnenwendkulten zu tun, wie es mitunter behauptet wird.

 

Der Weihnachtsbaum-Brauch wanderte schließlich vom Kirchplatz in die Zunftstuben und schließlich in die Privathäuser. In Thüringen wurden erstmals anstelle der Äpfel Glaskugeln aufgehängt und Weihnachtsgebäck ersetzte die Hostien. Seinen Einzug in die Privathäuser hat der Brauch zu Anfang des 17. Jahrhunderts wohl im Elsaß genommen und hat sich dann im 18. Jahrhundert in ganz Deutschland ausgebreitet. In unseren Nachbarländern wurde er ab Mitte des 19. Jahrhundert populär.

 

Zurück zur Ausgangsfrage, ja, der Weihnachtsbaum-Brauch ist als ein christliches Symbol entstanden. Leider ist er heute fast völlig verweltlicht und seine Symbolik ist vergessen worden. Deshalb sollte anstelle von fundamentaler Kritik die christliche Symbolik des Weihnachtsbaumes erklärt werden. Das ist Verkündigung der Weihnachtsbotschaft.

 

Detlef Löhde, Dez. 2019;

Quelle: Nach Walter Romminger im Deutschen Pfarrerblatt, Ausgabe: 12 / 2013

 

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