Jesu Predigt - erschreckend und befreiend

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Würde uns Jemand fragen, was denn Jesus gepredigt habe, dann würden uns wahrscheinlich spontan immer nur Einzel-themen einfallen, sowie dass Jesus die Liebe zu Gott und zum Nächsten gepredigt habe. Doch kann man eine Überschrift und Zusammenfassung über die gesamte Botschaft Jesu setzen, die uns Jesus selbst gesagt hat. Nach seiner Taufe im Jordan, zu Beginn seines öffentlichen Auftretens, spricht Jesus (Mk. 1, 15): „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ Alle Worte und Predigten Jesu lassen sich dieser Aussage zuordnen. Und nach seiner Auferstehung sendet Jesus seine Apostel und seine Gemeinde aller Zeit aus mit den Worten (Lk. 24, 46.47): „So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“

 

Da sich die Botschaft und der Auftrag Jesu Christi von diesen Worten her erschließt, wollen wir sie näher betrachten und bedenken. Zunächst folgende Worterklärungen:

 

Reich Gottes“ = wörtlich übersetzt: „Königsherrschaft Gottes“; „Evangelium“ = wörtlich übersetzt „gute Botschaft u. Nachricht“,   

"Buße“ = bedenkt, wie ihr vor Gott steht, kehrt um, ändert, erneuert euren   Sinn, euer Denken und Handeln.

 

 

Was Jesus damit gemeint hat, dass das Reich, die „Königsherrschaft Gottes“ herbeigekommen ist

 

Gott war von Anbeginn der unsichtbare wahre König seines Volkes, doch das Volk begehrte einen sichtbaren menschlichen König. Gott gewährte diesen Wunsch und erwählte Saul und nach dessen Verstoßung David zum König. Doch auch David sündigte und die nachfolgenden Könige in einem noch viel stärkeren Maße, bis hin zum Götzendienst. Da verheißt Gott, dass wenn die Zeit erfüllt ist, er dem Volk seinen König, seinen Gesalbten (= Messias, Christus) senden werde. Der wird in seinem Namen dann König sein über alle Völker in Ewigkeit. Jesus sagt nun, diese Zeit ist gekommen, haltet Augen und Ohren offen. Ja, seht und hört was ich tue und sage, dann werdet ihr mich als König Gottes, den Christus erkennen (Lk. 17, 20 ff., Joh. 18, 33-37). Mit mir hat Gott seine Herrschaft unter euch angetreten. Sie will in euren Herzen beginnen, wird ein Stück weit sichtbar werden in meiner Gemeinde / Kirche und wird vollendet werden bei meiner Wiederkunft. Das sagen uns all die Worte und Gleichnisse Jesu vom „Reich Gottes“ und dem „Himmelreich“, z.B. Mt. 13. Nach Jesu Kreuzigung und Auferstehung war klar, dass er kein weltliches Königtum aufrichten wollte und auch künftig nicht will. So predigten die Apostel, dass Jesus der gesandte Christus in Niedrigkeit ist, der für uns am Kreuz gestorben und dann auferstanden ist, wie er es vorausgesagt hatte. In göttlicher Herrlichkeit wird er zum Gericht wiederkommen und uns ins ewige Leben holen. Statt Jesu „König-sein“ verkündigen die Apostel ihn als den „Herrn“ / „Kyrios“ = Gott und statt Jesu Königsherrschaft (Reich), das ewige Leben in seiner Gegenwart und Herrlichkeit.

 

Was Jesus gemeint hat mit „tut Buße“

 

Jesus ist gekommen, die Menschen zur Buße zu rufen (Mt. 4, 17; Mk. 1, 14; Lk. 5, 32),

 

Jesus mahnt, appelliert und lockt (Imperativ aus Gnade):

  • Haltet ein mit eurem bisherigen Leben, Tun und Denken und kehrt um!

  • Überprüft, ja, überwindet viele eurer religiösen Vorstellungen und Wünsche, sie sind falsch z.B. Mk.7.

  • Wiegt euch nicht in falscher Selbstsicherheit vor Gott, weil ihr Nachkommen Abrahams seid (Joh. 8, 33 f.) oder meint, alle Gebote Gottes perfekt erfüllen zu können. Ihr seid vor Gott nicht gerecht und habt deshalb Gottes Strafe verdient, selbst wenn ihr äußerlich vielleicht rechtschaffen seid. Denkt an das Massaker des Pilatus und den Einsturz des Turmes von Siloah, Lk. 13, 1-4.

 

Damit das eingesehen wird, predigt Jesus Gottes Gebote in vollem Umfang und voller Schärfe, dass die Gebote nicht nur wörtlich und äußerlich, sondern auch im weiten Sinne schon mit Gedanken zu befolgen sind. Jesu Zuhörer sollen erkennen, dass sie nicht Gerechte, sondern auch Sünder sind, dass sie genauso auf Gottes Vergebung angewiesen sind wie die groben Sünder, die Zöllner und Huren. Warum das so ist? Weil in jedem Menschen die Erbsünde, der unwiderstehliche Hang zum Sündigen, wohnt, Röm. 7, 14-24.

 

  • Gebt euren falschen Stolz auf und seid demütig, bekennt eure Sünden, z.B. Pharisäer und Zöllner, Lk. 18, 11.

  • Seid gegenüber den groben Sündern barmherzig und gönnt auch ihnen die Vergebung, auf die ja auch ihr angewiesen seid, wie z.B. auch die Ankläger der Ehebrecherin, Joh. 8, 7f.

  • Wendet euch mit eurem Herz und eurem ganzen Leben Gottes Willen und Gnade zu, ändert euren Sinn und widerstrebt nicht weiter Gott in eurem Herzen, erkennt den Sohn und lasst euch von Gottes Geist erneuern, lasst euch taufen, Jer. 31, 18; Joh. 3, 1-8; Joh. 3, 22; Joh. 4, 1-2, Mt. 28,18.

 

Weshalb Menschen Buße tun sollen

 

Weil die Königsherrschaft Gottes angebrochen ist - weil Christus gekommen ist, um die Sünden zu vergeben und das ewige Leben zu schenken. Das kann der Mensch aber nur erlangen, wenn er seine Sünden erkennt, bekennt (zugibt) und um Vergebung bittet. Der Weg ins ewige Leben führt allein über die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus. Die Bußpredigt, die Gesetzespredigt, ist die Hinführung zum Evangelium. Martin Luthers erste seiner 95 Thesen lautet: „Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein soll.“

 

Was predigt Jesus über den Willen und die Gebote neu, wie es bisher noch keiner gehört hat?

 

Jesus weist auf den umfassenden Sinn der Gebote hin und zeigt so die Sünde in allen Lebensbereichen auf und ruft damit indirekt jeden Menschen zur Buße /Umkehr.

 

Ihr brecht Gottes Gebote

  • nicht erst mit dem äußeren Tun, sondern schon mit euren Worten und Gedanken
  • durch anmaßendes Vergelten und Richten, was doch allein Gottes Sache ist,
  • mit unaufrichtiger Frömmigkeit und geistlichem Hochmut,
  • mit mangelndem Gottvertrauen. Siehe Mt. 5 – 7 (Bergpredigt); Mt. 19, 1-26; über Reinheit und Unreinheit, Mk. 7; gegen gottvergessene Selbstsicherheit aufgrund von Reichtum, Lk. 6, 24-26, wie beim reichen Kornbauern, Lk. 12, 13-21; gegen Halbherzigkeit wie beim reichen Jüngling, Lk. 18, 18-25; gegen geistlichen Hochmut wie bei dem Pharisäer gegenüber dem Zöllner, Lk. 18, 9-14.

Jesus warnt auch vor einem „zu spät“, spricht Gerichtsdrohungen und Wehe-Rufe:

 

an böse Weingärtner, Mt. 21, 33 f.;

an Verächter der königlichen Einladung, Mt. 22,1-13;

an Pharisäer und Schriftgelehrte, Mt. 23, 1-36, Lk. 11, 37f.;

an Jerusalem und Tempel, Mt., Kap. 23, 24;

an die klugen und die törichten Jungfrauen, Mt. 25, 1-13;

an den unfruchtbaren Feigenbaum, Lk. 13, 1-9.

 

Den groben reumütigen Sündern aber, wie der Ehebrecherin und den Zöllnern (Lk. 19, 1-10), hält Jesus ihre Sünden nicht mehr ausdrücklich vor, sie wissen schon um ihre Sünden und bereuen sie. Da bedarf es keiner Mahnung und Drohung mehr, sondern Jesus vergibt ihnen ohne Vorwürfe und Bedingung.

 

Jesus predigt den Menschen Buße, in dem er Gottes Gebote in vollem Umfang und voller Schärfe verkündigt und damit die Menschen auf ihre Sünden hinweist. Das größte Gebot ist zu erfüllen: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzen Gemüte. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, Mt. 22,37ff. Dass nach den Worten Jesu die Gebote Gottes Vollkommenheit in Gehorsam und Liebe fordern, lässt die die Zuhörer entsetzt fragen: „Ja, wer kann dann selig werden?“ und Jesus antwortet: „Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich“ (Mt.19,25.26) – Damit meint Jesus, allein durch Vergebung der Sünden um meinetwillen und um meiner stellvertretenden Erfüllung der Gebote kann der Mensch selig werden.

 

 

Mit „glaubt an das Evangelium“ meint Jesus:                                

Hört auf die gnädigen, vergebenden liebevollen Worte Gottes, hört auf meine Worte, ich bin selbst das Wort Gottes.

Glaubt, vertraut, dass Gott euch liebt und euch gnädig sein will und dass ich

  • der von Gott gesandte Christus, euer Retter von Sünde, Tod und Teufel bin und mit mir das Reich (Königsherrschaft) Gottes unsichtbar angebrochen ist,

  • zur Vergebung der Sünden für euch mein Leben am Kreuz dahingebe, damit ihr leben könnt – ewig leben,

  • in Herrlichkeit wiederkommen werde, zu richten die Lebendigen und die Toten. Dann wird meine (Königs-) Herrschaft, Gottes Reich, für alle sichtbar sein. Und alle, die an mich glauben, werde ich in meine Herrlichkeit und Ewigkeit holen.

 

Muss der Mensch etwas zu seiner Rettung / Erlösung beitragen?

 

Jesus Christus spricht:

Gehet hinein durch die enge Pforte“, und „ich bin die Tür“, Mt. 7, 13; Joh. 10,7

 

Auf der Außenseite der Tür Jesu stehen lockende, mahnende und warnende Appelle (Imperative):

 

● Höre Gottes Wort und seine Gebote! Mt. 7, 24; Joh. 5,24

 

● Tue Buße, kehre um, bekehre dich! Mk. 1, 15

 

● Glaube und vertraue mir! Joh. 14, 1

 

● Folge mir, komm zu mir, tritt durch meine Tür ein und lasse dich taufen! Mt. 9, 9; 11, 28; Joh. 3, 5

 

 

Wer dann durch die enge Pforte gegangen ist, an Christus als seinen Herrn und Erlöser glaubt und sich nun umwendet, der liest auf der inneren Rückseite der Tür:

 

Nicht durch deine Glaubensentscheidung oder durch dein Tun,

sondern

 

allein aus Gnade hat dich Gott bekehrt und auserwählt von Anbeginn, Jer. 31, 18; Joh. 15, 16; Röm. 3, 21; Eph. 1, 4

 

allein durch Jesus Christus hast du Vergebung deiner Sünden und ewiges Leben, und dieser Glaube an ihn ist dir auch geschenkt worden. Mt. 16, 16.17; Eph. 2, 8

 

Freue dich und danke, Phil. 4, 5,

lebe und handele kraft des heiligen Geistes „heilig“, Röm. 6, 22.

Heilig“ meint, Gott zugehörig sein, als sein Kind, als Jünger Jesu Christi, Phil. 2, 5 entsprechend lebt, handelt und denkt. Lebt in der „Heiligung“!

Tut die Werke, die Gott von euch will und schon vorbereitet hat. Lk. 17, 10; Eph. 2, 10, Phil. 2,13

Das ist der „neue Gehorsam“, freiwillig, gern, aus Liebe ohne Angst vor Strafe und ohne Zwang, sich die Seligkeit verdienen zu müssen.

 

 

Jesu Predigt ist Auftrag und Vorbild für seine Gemeinde / Kirche

 

Von Jesus hat seine Kirche den Auftrag erhalten, in seinem Sinne Buße und Evangelium zu predigen:

 

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe, Mt. 28,19.20.

 

Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden, Mk. 16,15.

 

Also ist's geschrieben, dass Christus musste leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt werden muss in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern, Lk.24,46.47.

 

Nach diesem Auftrag sollen in Jesu Namen Buße und Evangelium gepredigt werden. Buße predigen heißt Gesetz, Gebote, predigen - Sünde offenlegen. Evangelium predigen heißt, auf Gottes Verheißungen des Heils zu weisen - die Vergebung der Sünden und die Gnade Gottes durch das Kreuzesopfer Jesu Christi predigen.

 

Bei der Predigt von Buße (Gesetz) und Evangelium, soll das Evangelium überwiegen, weil es das letzte und vergebende Wort Gottes ist. Das Evangelium (Gnadenbotschaft) in die Welt zu bringen, das war der Auftrag Jesu Christi und ist auch der Auftrag seiner Gemeinde. Wer aber Christus ablehnt, der ist schon gerichtet (Joh. 3,18).

 

Wenn wir also wissen wollen, was Gott uns sagen will, müssen wir die biblischen Texte befragen:

 

1. Welche Sünden, welche Irrwege, welche falschen Glaubensvorstellungen werden im Text aufgezeigt? Erkennen wir Vergleichbares in unserer Zeit, in unserem persönlichen Verhalten (Anklage des Gesetzes)?

 

2. Mit welchen Worten wird ein Ausweg gezeigt, wird auf Gottes Gnade und Vergebung gewiesen (Evangelium)? Fehlen solche Worte im unmittelbaren Text, so dürfen wir getrost solche aus anderen Abschnitten dazu nehmen. Denn wir kennen die Heilsgeschichte und den Heilswillen Gottes und das Gnadenangebot der Vergebung der Sünden im Namen seines Sohnes.

 

Gott ist die Liebe (1.Joh. 4, 9. 10. 16)

Gott fordert von uns Liebe als Antwort auf seine Liebe (Gesetz), Gott fordert von uns aber nicht mehr, als was er uns zuvor bereitet hat (Eph. 2,1 ff.; Phil. 2, 13) - Gott überfordert uns nicht! In seinem Sohn schenkt Gott uns seine Liebe (= Vergebung), ohne alle Bedingung (= Evangelium).

 

Die Kirche hat wie ihr Herr allein mit dem Wort zu wirken, nicht äußerlich zu regieren, keine äußeren Mittel oder Zwang anzuwenden. Gott regiert die Welt / Menschen mittelbar, einerseits durch seine Kirche allein mit seinem Wort und andererseits durch weltliche Regierungen. Diese dürfen zur Abwehr des Bösen und Wahrung des Rechts auch äußere Mittel des Zwanges anwenden. Das sind die zwei zu unterscheidenden Regierweisen („zwei Regimente“) oder „zwei Reiche“ Gottes. - Siehe PDF-Übersicht „Zwei Reiche“!

 

Detlef Löhde

 

Zwei Reiche
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Was Jesus gepredigt hat
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