Was ist das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes?

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Wie steht der Heilige Geist

zu Gott dem Vater und dem Sohn? 

 

Wo weht der Geist Gottes?

Das deutsche Wort „Geist“ in unseren Bibeln, ist eine Übersetzung des hebr. Wortes „ruach“ aus dem AT und des griech. Wortes „pneuma“ aus dem NT. Beide Worte bedeuten aber nicht nur Geist, sondern zugleich auch Wind, Hauch und Odem. Man kann sagen, dass der Geist Gottes ein Hauch Gottes ist. So blies der Auferstandene seine Jünger an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist, Joh. 20, 22. Auch wird der Geist Gottes häufig mit Wasser verglichen und in Verbindung gebracht. Jesus spricht zu Nikodemus (Joh. 3, 5): „Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Zu Pfingsten wird der heilige Geist mit Brausen wie Wind über die Jünger ausgegossen und erscheint in Zungen zerteilt wie von Feuer (Apg. 2).

 

Wo im Alten Testaments hören wir zuerst vom Wirken des Geistes Gottes? 

Was wirkt Gott durch seinen Geist?  

Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“, Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1,2;

 

Der Geist Gottes wirkt Leben - irdisches und geistlich-ewiges, Ps. 104,29.30; 1. Mose 2,7; 6,3.17; 7,15; Hes. 37, 5 ff.; Joh. 3, 5 – 8; 6,63; 20,22; 2. Kor. 3,6.

 

Nizänisches Glaubensbekenntnis: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht.“

 

Wem gibt Gott im Alten Testament in besonderer Weise seinen Geist und was bedeutet das?

Den auserwählten Königen und Propheten Israels gibt Gott seinen Geist, 1. Sam. 10, 10; 16, 13. Als äußeres Zeichen wurde das Haupt des Auserwählten mit heiligem Salböl bestrichen, so ist er jetzt der „Gesalbte“ (Messias) Gottes. Und auch die Priester wurden gesalbt, 2. Mose 28, 41. Gott hat sich so einzelne Menschen als seine besonderen Werkzeuge auserwählt. Sie sollen Gottes Auftrag erfüllen, haben dazu seine Vollmacht und stehen an Gottes Statt. Gott ist durch seinen Geist diesen Menschen besonders nahe, schützt und leitet sie. Gottes Geist wirkt auf den Geist dieser Menschen ein und lenkt sie. Wer sich gegen sie wendet, wendet sich zugleich gegen Gott. Aber Gott kann seinen Geist auch wieder von ihnen nehmen, wie vom König Saul, 1. Sam. 16, 14.

 

Welche Verheißung wird im Alten Testament hinsichtlich des Geistes Gottes gegeben und wann hat sie sich erfüllt?

Der Heilige Geist soll einmal auf das ganze Volk ausgegossen werden, Joel 3,1.2; Sach. 4,6; 12,10. Diese Verheißung hat sich Pfingsten erfüllt, Apg. 2. Das heißt, den besonderen Beistand, den die Könige, Propheten und Priester Israels hatten, erhält das ganze Volk Gottes – die Gemeinde / Kirche Jesu Christi. Deshalb schreibt Petrus der nachpfingstlichen christlichen Gemeinde, 1. Petr. 2, 9: „Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums.“ 

 

Was sagt Jesus vom Kommen und Wirken des Heiligen Geistes?

Jesus spricht: „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen anderen Tröster (Fürsprecher, Ratgeber, Beistand, Anwalt) geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Der Tröster, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe,...der wird Zeugnis geben von mir“, Joh. 14,16-18.26; 15,26. Das ist auch die Erfüllung der Verheißung Jesu: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ und „Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“Mt. 18,20; 28,20.)

 

Der Heilige Geist bezeugt und vergegenwärtigt Jesus Christus und will nicht selbst zum Mittelpunkt des Glaubens gemacht werden.

 

Wie und zu wem kommt der Heilige Geist heute?

Wenn Jesus vom lebendigen Wasser spricht, dann spielt er damit auf den Heiligen Geist und die Taufe an, Joh. 3,5; 4,10-14; 7,37-39. Wie das Wasser ausgegossen wird, so wird der Heilige Geist ausgegossen - ausgegossen in die Herzen, ausgegossen auf die Gemeinde. Durch die Taufe und das Wort kommt der Heilige Geist ins Herz und will uns leiten unser Leben lang, Apg. 2,38; Röm. 5,5; 8,9-16; Versiegelung - Eph. 4,30, Tit. 3, 5; 1. Petr. 1, 3. 23.

 

Was wirkt der Heilige Geist?

Der Heilige Geist schafft in den Herzen der Menschen Begegnung und Verbindung mit Gott.

 

Das Wirken des Heiligen Geistes beim einzelnen Menschen:

  • Er schenkt uns Glauben, geistliche Wiedergeburt, Joh. 3, 1 ff. ; 1. Petr. 1, 23 und Streben nach Heiligung. Geistgewirkte Heiligung ist das Streben, nach dem Glauben zu leben, Kampf gegen die Sünde in uns zu führen, nach guten Werken der Gottes- und Nächstenliebe zu trachten, Gal. 5,16-26; 1. Kor. 6,19;

  • Er schenkt Geistesgaben („Charismen“), 1. Kor. 12 – 14; das heißt, er nimmt unsere natürlichen Schöpfungsgaben in Dienst und verleiht auch besondere geistliche Gaben, wie besondere geistliche Vollmacht und Unterscheidungsvermögen, prophetische Rede, das Wirken von wunderbaren Heilungen, die Zungenrede zu apostolischer Zeit.

 

Das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinde / Kirche:

 

Der Heilige Geist hat durch die Einwirkung auf den menschlichen Geist der Propheten, Apostel und Evangelisten die Heilige Schrift werden lassen, 2. Tim. 3, 16; 2. Petr. 1, 21. Er sorgt für die Verkündigung des Gotteswortes, baut und leitet die Gemeinde / Kirche, verleiht der Kirche geistliche Erkenntnis, Unterscheidungsvermögen und Vollmacht zur Verkündigung und Sakramentsverwaltung, Lk. 12, 12; Joh. 14, 26; Apg. 2; 1. Kor. 12, 1-11.

 

Wo der Heilige Geist ist, da ist auch Gott der Vater und der Sohn unsichtbar gegenwärtig.

 

Wenn aber getaufte und damit geistbegabte Menschen bewusst und vorsätzlich den Heiligen Geist als bösen Geist verleumden und dann vorsätzlich gegen ihn handeln, so kann Gott seinen Geist auch wieder von ihnen nehmen, so wie er es damals bei König Saul und dann wohl auch bei dem Verräter Judas getan hat (= Sünde gegen den Heiligen Geist). Das kommt aber einem Verdammungsurteil gleich, denn ohne den heiligen Geist kann der Mensch nicht zur Buße und damit nicht zur Vergebung seiner Sünden und nicht neu zum Glauben kommen, Mt. 12, 31.

 

Mit welchen Mitteln wirkt der Heilige Geist?

Der Geist Gottes wirkt wo und wann er will (Joh. 3, 8), aber er hat sich zugleich auch an äußere Mittel gebunden, auf die wir gewiesen werden. Durch Gottes Wort und Sakrament (Taufe, Abendmahl) rührt der Heilige Geist die Herzen an, schenkt er Glauben - geistliche Wiedergeburt und verleiht seine Gaben, Jes. 55, 11; Mt. 24, 35; Joh. 3, 1–10; 6, 63; 14, 26; Eph. 6,17; Hebr. 4, 12.

 

Woher erfahren wir, dass der Heilige Geist nicht nur eine von Gott ausgehende Kraftwirkung, sondern personale Kraft, eine Person ist?

Christus gibt seinen Jüngern den Auftrag, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes zu taufen, Mt. 28,19. Einen Namen aber hat nur eine Person.

 

Der Heilige Geist

  • hat sich bei der Taufe Jesu als Taube sichtbar offenbart, Lk.3, 22;

  • hat Jesus gesalbt und gesandt, Lk. 4,18;

  • redet und hört, Mt. 10, 20; Joh. 16,13; Apg. 8, 29; Hebr. 3, 7;

  • entscheidet, sendet Apostel und setzt Bischöfe ein (Apg. 15, 28; 18, 5; 20, 28;

  • vertritt die Gläubigen, Röm. 8, 26.27;

  • hilft, erforscht, tröstet und straft, Röm. 8, 26.27; Joh. 15, 26; 16, 8;

  • kann belogen, betrübt, erbittert, versucht und gelästert werden, Apg. 5, 3; 7, 51; Eph. 4, 30; Mt. 12, 31; Mk. 3, 29.

 

Weshalb glauben wir an die Dreieinigkeit Gottes (Trinität)?

Gott hat sich in der Heilsgeschichte, wie sie uns die Bibel bezeugt, offenbart - sich gezeigt, vorgestellt, erwiesen - als der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Deshalb gebietet der auferstandene Jesus, dass wir die Menschen auf Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist taufen sollen, Mt. 28, 19. Zugleich ist uns aber auch immer wieder gesagt, dass nur e i n Gott ist. Diese Dreieinigkeit Gottes kann mit der menschlichen Vernunft nicht erfasst und nicht ergründet werden, sondern nur demütig anbetend geglaubt werden.

 

Bei der Schöpfung und der Erlösung hat der e i n e Gott in seinen drei göttlichen Personen gewirkt. Wo eine göttliche Person spricht und handelt, da haben zugleich auch immer die beiden anderen teil.

 

Im Athanasianischen Glaubensbekenntnis heißt es:

 

So ist der Vater Gott,

der Sohn ist Gott,

der Heilige Geist ist Gott

und

dennoch sind es nicht drei Götter,

sondern es ist nur  e i n  Gott.“

 

Der Dreieinigkeit Gottes steht auch nicht 5. Mose 6, 4, das Glaubensbekenntnis Israels, das „Schema Jisraels“, entgegen. Der Luthertext Revision 1984 lautet: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.“ Luthers Originalübersetzung, zuletzt noch in der Revison 1912, lautet deutlicher: „Höre, Israel, der HERR unser Gott, ist ein einiger Gott.“ Das maßgebende hebräische Wort „echad“ oder „echod“ ist kein Zahlwort für eins, sondern die Bezeichnung einer Einheit.

 

Darüber hinaus gibt es im Alten Testament etliche Andeutungen der Dreieinigkeit Gottes. Schon in 1. Mose 1, 1 steht das hebräische Wort für Gott – Elohim - in der Mehrzahlform. Es ist aber nicht etwa mit Götter zu übersetzen, sondern mit Gott, denn die folgende Tätigkeit „schuf“ steht in der Einzahl. Und in 1. Mose 1, 26; 3, 22; 11, 7; 18, 1. 2, spricht Gott von sich in der Mehrzahlform, nämlich von „uns“.

 

Detlef Löhde 

Heiliger Geist u. Trinität
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