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Wie ist wohl Gott? Ist Gott der große Unbekannte?

 

Woher können Menschen etwas von Gott erahnen oder erkennen?

 

Weshalb und woher wissen auch solche Menschen etwas von Gott, die die Bibel und die christliche Botschaft nicht kennen, z.B. Eingeborene im Urwald? Weshalb gab es kein Volk in der Menschheitsgeschichte, das keine Religion hatte? Wo haben die anderen Religionen ihren Gott her? Wieso können auch atheistisch erzogene Menschen etwas mit dem Begriff „Gott“ anfangen? Weshalb kämpfen militante Atheisten so fanatisch gegen Gott, wenn es ihn nach ihrer Überzeugung nicht gibt? Weshalb haben auch Atheisten eine Moral?

 

In der Bibel wird über die Existenz Gottes nicht diskutiert oder argumentiert, gelegentlich wird nur festgestellt, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, Narren sind. „Gottlos sein“ und „Narr sein“ ist in der Bibel dasselbe. „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott“ (Ps. 14,1). Weshalb das Wissen, zumindest das Ahnen, um die Existenz Gottes bei allen Menschen vorausgesetzt werden kann, ergibt sich aus dem Folgenden.

 

I. Natürliche Gotteserkenntnis

 

1. Aus der Natur kann man sehen, dass sie von Gott geschaffen, seine Schöpfung ist - Röm. 1,19 - 23.

 

Ihre gesetzmäßige Ordnung, Erhabenheit und Schönheit bezeugen:

 

Gottes Ewigkeit, Herrlichkeit, Allmacht, Allwissenheit, sein „Herr-sein“ über Anfang und Ende der Welt, über Leben und Tod, zugleich bezeugt sie, dass Gott unerreichbar, unnahbar, unerklärlich, unergründlich und verborgen ist. Wie Gottes Wesenseigenschaften sind, wie er uns gesonnen ist, nach welchen Regeln wir leben sollen, das können wir aus der Natur nicht erkennen!

 

2. Aus der eigenen Geschöpflichkeit und Gottesebenbildlichkeit und mit dem Gewissen kann man Gott erahnen. Der Mensch ist von seinem Wesen her auf eine Beziehung zu Gott hin angelegt. Gott hat ihn als sein Ebenbild geschaffen. (Ebenbild, wörtlich: als Schatten, der sein Bild wiedergibt, ein Bild das ihm ähnlich ist - 1. Mose 1, 27). Je mehr sich der Mensch von Gott durch Ungehorsam / Sünde entfernt, um so mehr verzerrt seine Ebenbildlichkeit. Dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, das ist seine Würde (Menschenwürde).

 

Geistige Ebenbildlichkeit des Menschen im Gegensatz zum Tier: Der Mensch ist Person mit einem „Ich-Bewusstsein“, einer Denk- und Reflektionsfähigkeit, mit Wissen um seine Sterblichkeit. Er ist über die Schöpfung, ja, zum Stellvertreter Gottes auf Erden gesetzt; er kann im begrenzten Umfang selbst Neues „schöpfen“, kultivieren, entfalten... Der Mensch soll Gottes Wesenseigenschaften widerspiegeln: Liebe, Treue, Gerechtigkeit, Geduld, Güte, Gemeinschaft (Ehe = „Zweisamkeit“), er trägt Verantwortung und ist damit Gott rechenschaftspflichtig. Im Paradies hatte der Mensch noch einen völlig freien Willen, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Nach dem Sündenfall hat er zwar auch noch Entscheidungs-, Handlungs-, Gestaltungs- u. Entfaltungsfreiheit, aber nur noch in weltlichen Dingen. Die guten Wesenseigenschaften des Menschen sind alle „gebrochen“ - korrumpiert. Es bleibt ihm noch das Gewissen, obwohl auch dieses „gebrochen“ ist. Es ist nicht mehr absolut an Gottes Willen orientiert und kann willentlich „verbogen“ und für Gott unempfindsam werden. Es bleibt aber noch stückweise ein kritischer Spiegel unseres Verhaltens, Ratgeber, Kompass und Rufer zur Buße, zur Umkehr und Hinkehr zu Gott (Röm. 2, 14.15). Zum Gewissen will Gottes Geist mahnend sprechen.

 

Der Mensch also ahnt aus seiner Geschöpflichkeit und Gottesebenbildlichkeit noch etwas vom guten Gott und von Gut und Böse, hat ein mahnendes Gewissen, ahnt um seine Verantwortung, und dass er vor Gott einmal wird Rechenschaft geben müssen. Er hat Sehnsucht nach einer „heilen Welt“ - Paradiessehnsucht und eine vage Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

 

Jesus Christus aber ist der „neue Adam“ (1. Kor. 15, 45), der neue Mensch und zugleich das wahre Bild Gottes (2. Kor. 4, 4). Durch ihn gewinnen wir die verlorene volle Ebenbildlichkeit wieder zurück (2. Kor. 5, 17) - jetzt und hier stückweise, vollkommen dann in der Ewigkeit.

 

3. Mit unseren Gedanken können wir uns kein wahrhaftes Bild von Gott machen,

 

- weil eine gewaltige Kluft zwischen Gott dem allmächtigen Schöpfer und uns als seinen Geschöpfen besteht, - weil wir mit unserem geschöpflich begrenzten Verstand und unserer Sünde (Erbsünde) Gott nicht recht erkennen können, - weil Gott Geist ist (Joh. 4, 24) und er in seiner Heiligkeit, Majestät und Allmacht für uns unvorstellbar und damit von uns nicht bildlich dargestellt werden kann. Jeder Versuch der Menschen, sich selbst von Gott ein Bild zu machen, führt zu einem unvollkommenen beleidigenden verfälschenden Wunschbild und Zerrbild – zu einem Götzenbild. Deshalb hat Gott verboten, dass wir uns von ihm ein Bild machen (1.Gebot, 2. Mose 20,4; abschreckendes Beispiel ist das goldene Kalb, 1. Mose 32,1-6; Ps. 106, 19.20; Röm. 1, 23). Gott selber aber hat uns von sich sein Bild in seinem Sohn gezeigt (Joh. 12, 45; 2. Kor. 4,4).

 

II. Aus Gottes Offenbarung (Bibel) können wir Gott kraft seines Geistes erkennen

 

4. Weil der Mensch mit seiner „natürlichen Gotteserkenntnis“ (Natur, Gottesebenbildlichkeit, Gewissen) den wahren dreieinigen Gott und auch den Weg des Heils nicht erkennen kann, deshalb hat Gott mit dem Volk Israel eine Heilsgeschichte begonnen und dann seinen Sohn in die Welt gesandt (Hebr. 1, 1). Jesus Christus hat uns Gottes Wesen und Willen verkündet und uns den Weg zum Heil durch sein Kreuz bereitet. Zeugnis davon gibt uns die Bibel:

 

  • Gottes Wesenseigenschaften sind (Ps. 103): Heiligkeit, Gerechtigkeit, die sowohl im Zorn und Strafgericht über die Sünde als auch in Gnade und Vergebung ihren Ausdruck findet; Geduld, Güte, Barmherzigkeit, väterliche Liebe. Gott teilt sich uns mit (Offenbarung), will den Menschen als ein selbständiges Gegenüber – nicht als Marionette oder willenloses Wesen -, will Gemeinschaft mit uns haben, zwingt uns aber nicht dazu - zwingt uns nicht, ihm zu glauben, zu vertrauen und anzubeten. Gott ist treu und hält sein Wort, seine Zusage, seinen Bund.

  • Gott ist uns gut gesonnen, ja, er liebt uns (Jer. 31, 3; Joh. 3,16; Röm. 5, 8). Gott will mit uns sein, Gott will mit jedem Menschen sein. Schon zu Anbeginn der Welt ist Gott bei den Menschen im Paradies gewesen. Weil sie aber rebellierten, „selbst-sein-wollten-wie-Gott“, hat Gott sie aus seiner Nähe verbannt. Das aber war nicht Gottes letztes Wort. Aus Liebe ruft Gott die Menschen in seine Nähe zu sich zurück, wo Gemeinschaft, Freude und ewiges Leben ist. Als Gott das Volk Israel durch Mose aus der Sklaverei Ägyptens führen will, da fragt ihn Mose nach seinem Namen und Gott antwortet: „Jahwe“ -„Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mose 3, 14). - Ich werde da sein, ich werde bei euch sein, ich werde euer Gott sein, auf mich könnt ihr euch verlassen. Weil Gott aber alle Völker und Menschen zum Heil – ins ewige Leben - führen will, deshalb hat er einen „Immanuel“ - ein „Gott-mit-uns“ - verheißen (Jes. 7, 14). In ihm will Gott als Beistand, Helfer und Retter mit uns sein. Dieser Immanuel ist sein lieber Sohn (Mt. 1, 23). In Jesus erfüllt sich der Gottesname Jahwe und Jesus heißt übersetzt, „Jahwe hilft, rettet“. Er hat für uns, zu unserem Heil, den Tod am Kreuz erlitten. In Jesus Christus ist Gott mit uns. Alle Tage bis an der Welt Ende ist er kraft des Heiligen Geistes unsichtbar bei allen, die an ihn glauben - bei uns, in unseren Herzen, in seiner Gemeinde und Kirche. Zu diesem Immanuel, zu Jesus Christus, wollen wir alle Menschen rufen und einladen, die ihn noch nicht kennen. Gott hat kein Gefallen am Tod des Gottlosen (Hes. 18, 23), sondern will, dass alle Menschen gerettet werden (1. Tim. 2, 4). Zugleich aber bleibt Gott uns immer auch noch ein „verborgener Gott“, dessen Ratschlüsse uns unergründlich bleiben (Röm. 11, 33). Doch auch, wenn wir diese oft nicht verstehen, sollen wir Gott vertrauen, dass er es gut mit uns meint und es gut für uns machen wird (Röm. 8, 28). Dass Gott uns liebt, erkennen wir am Kreuz Jesu Christi (Röm. 5,8).

  • Gott hat die Zehn Gebote gegeben (dem Volk Israel am Sinai, 2. Mose 20; den Heiden ins Herz, Röm. 2, 14.15) Die Gebote beinhalten mittelbar auch die Ordnungen der Ehe, Eltern- und Kindschaft, des Staates, der Arbeit und des Eigentums.

 

Die Gebote sollen für unser Leben - Regel, Hilfe und Wegweisung, - „Riegel“ gegen Versuchung und Bosheit, - „Spiegel“ zum Erkennen unseres Ungehorsams, unserer Sünde sein.

 

Gott spricht (5.Mose 27,26): „Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, dass er danach tue!“ Gottes Fluch bedeutet die Verbannung aus seiner Nähe und den Tod. Diesen Fluch hat Jesus an unserer Stelle (stellvertretend) auf sich genommen, Gal. 3, 13, damit wir von Fluch und Strafe des Todes frei werden.

 

5. Jesus Christus hat den Missionsbefehl (Sendungsbefehl) zur Rettung der Menschen gegeben. Jesu Jünger aller Zeiten sind ausgesandt worden, Jesus Christus und den dreieinigen Gott zu verkündigen – Mt. 28,19.20; Röm. 10,14.17. 1. Beispiel: Die Pfingstpredigt des Petrus (Apg. 2,14 ff.) von Jesu Kreuz, seiner Auferstehung und Himmelfahrt und den Ruf zur Buße und Taufe. 2. Beispiel: Die Predigt des Paulus vor der Athenern (Apg. 17, 16 ff.) vom „unbekannten Gott“. Die Athener wussten, dass es einen Gott / Götter gibt. Sie hielten es sogar für möglich, dass sie einen Gott nicht genau kennen würden. Da predigt ihnen Paulus, was der wahre Gott über sich und den Heilsweg durch seinen Sohn offenbart hat. Vergleichbar ist die Situation bei uns heute. Wir treffen auf Menschen, die noch einen Rest „natürlicher Gotteserkenntnis“ haben. Wir sind nun aufgefordert, vom wahren Wesen und Willen Gottes zu erzählen. Das kann nur geschehen, in dem wir von der uns erwiesenen Liebe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus, von seinen Worten und seinem Kreuzesopfer sprechen.

 

Detlef Löhde

 

Wissen von Gott
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