Wann spricht die Kirche im Auftrag und in Vollmacht Jesu Christi?

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Diese Frage soll einmal an einem bildhaften Vergleich verdeutlicht werden. Stellen wir uns vor, der Verkäufer eines Molkereifachgeschäfts schüttet ständig Wasser in die Milch und rät seinen Kunden, anstelle von Milch doch häufiger einmal Coca-Cola zu trinken. Von den Kunden werden sich dann einige enttäuscht zurückziehen, einige werden vielleicht auf Coca-Cola umsteigen, andere werden sich selbst etwas zubereiten, und insgesamt werden immer weniger wiederkommen. Die Kundschaft nimmt mehr und mehr ab. Schließlich wird der Verkäufer zur Rechenschaft gezogen werden. Der Inhaber der Molkerei wird ihm vorhalten, dass er nicht seinem Auftrag gemäß, sondern eigenwillig und eigenmächtig zum Schaden der Molkerei und der Kunden gehandelt habe. Ob dem Verkäufer wohl seine Geschäftsvollmacht belassen werden wird?

 

In solcher Situation befinden sich heute viele der institutionellen Kirchen, insbesondere die großen Volkskirchen. Sie setzen immer weniger vollwertige Milch ab, dafür aber um so mehr verdünnte Milch, Magermilch und prickelnde Coca-Cola. Und die Kundschaft nimmt dabei ständig ab.

 

Wer nun meint, der Vergleich mit der Milch sei kindisch, unpassend und der kirchlichen Verkündigung nicht angemessen, der sei daran erinnert, dass ihn schon die Apostel Petrus und Paulus gebraucht haben. So schreibt der Apostel Petrus (1.Petr. 2,2): „Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie neugeborene Kindlein, damit ihr durch sie zunehmet zu eurem Heil!“

 

Der kritisch bildhafte Vergleich fordert nun jedoch aufzuzeigen, mit welcher kirchlichen Verkündigung uns vollwertige Milch und mit welcher uns nur Magermilch oder gar nur Limonade angeboten wird. Es soll versucht werden, die Frage zu beantworten, wann die Kirche nach ihrem Auftrag und damit in Vollmacht Christi spricht und handelt und in welchen Fällen sie davon eigenmächtig abweicht.

 

Bevor Jesus in die Unsichtbarkeit des Himmels einging, versammelte er seine Jünger und sprach zu ihnen (Mt. 28,19.20): „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“Diesem Auftrag zur Mission sollen die Jünger Jesu zu allen Zeiten bis ans Ende der Zeit und Welt nachkommen. Wenn sie das tun, dann erfüllen sie Jesu Auftrag, sprechen und handeln in seinem Namen und haben seine Vollmacht und Verheißung.Menschen durch Taufen und Lehren zu Jüngern Jesu zu machen, was meint, ihnen zu verkündigen, wer Jesus von Nazareth ist und was er für uns getan hat, und in die Nachfolge des Glaubens zu rufen.

 

Ja, wer ist dieser Jesus von Nazareth? Dies fragten einst die Juden, als sie seine Worte hörten, und das fragten die heidnischen Römer wie die gebildeten Griechen, als sie von ihm hörten. Und auch heute noch hören wir die Frage in der Welt, wer denn dieser Jesus sei, dass man sich noch nach fast 2000 Jahren an seiner Person und seinen Worten orientieren solle. Darauf eine klare und eindeutige Antwort zu geben und auch dann von Jesus zu sprechen, wenn nicht nach ihm gefragt wird, das ist der Auftrag der Kirche Jesu Christi in der Welt.

 

Wer die Frage nach Jesus nur äußerlich und weltlich beantwortet, der wird vielleicht sagen, Jesus sei ein vorbildlicher Mensch gewesen, verständnisvoll, liebevoll, sozial eingestellt und fromm; ein Kenner der religiösen Schriften seines Volkes, ein großer Prediger, ein weiser Lehrer und Wundertäter – ja, ein Religionsstifter. Durch Missgunst, Verrat und religiösen Fanatismus sowie aus Gründen der römischen Staatsräson wurde ihm aber ein tragisches Ende am Kreuz bereitet. Dieses alles kann man aus der Lebensgeschichte Jesu , wie sie die Evangelisten aufgezeichnet haben, herauslesen. Aber in den aufgeführten Feststellungen liegt nicht die Einzigartigkeit Jesu! Für die Evangelisten war etwas ganz anderes Mitte und Höhepunkt, Antrieb und eigentliches Anliegen ihrer Berichte über Jesus. Sie wollten Augenzeugenberichte darüber geben, dass Jesu gerade nicht nur ein bemerkenswerter Mensch oder Prophet, sondern Gottes Sohn ist, der aus der Ewigkeit und Herrlichkeit Gottes zu uns in die Welt gekommen ist. Die Evangelisten zeigen immer wieder auf, dass sich in Jesus von Nazareth die vielen prophetischen Worte des Alten Testaments erfüllt haben – die Worte von dem kommenden Gesalbten Gottes, von dem Messias, dem Christus. Das ganze Neue Testament will Zeugnis geben und Glauben wecken, dass Jesus von Nazareth der verheißene Christus Gottes ist. Jesus selbst führt seine Jünger zu diesem Glauben und Bekenntnis. Wenn sie das an sich erfahren haben, sprechen sie zu Jesus wie Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“(Mt.16,16) und wie der zunächst zweifelnde Thomas: „Mein Herr und mein Gott“(Joh. 20, 28).

 

Jesu Jünger und Gemeinde bezeugen und verkündigen, dass Jesus von Nazareth der von Gott verheißene Christus – der Retter für alle Menschen ist. Wo und wann dies bekannt, gepredigt und geglaubt wird, da ist die wahre Kirche Jesu Christi.

 

Untrennbar von der Person Jesu ist die Frage, wozu denn Jesus, der Christus, zu uns Menschen in die Welt gekommen ist. Sein Kommen hatte nicht nur für die damals lebenden Menschen Bedeutung, sondern sein Werk ist für die Menschen aller Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes von lebenswichtiger Bedeutung. Jesus hat mehr als irgendein zeitliches oder geschichtliches Werk für seine Mitmenschen vollbracht. Jesus war auch nicht zum vollmächtigen Richter Gottes über die Menschen gesandt worden, sondern Gott hat ihn der Menschheit aus Gnade und Liebe zum Helfer, Retter und Erlöser gesandt.

 

Haben wir denn solchen Retter und Erlöser wirklich so dringend nötig, wird mancher fragen. Nun, Sie kennen sicher die Zehn Gebote. Gott hat sie einst durch Mose verkünden lassen, und auch die Menschen anderer Völker und Zeiten wissen ahnungsweise um ihren Inhalt. Sie wissen im Innersten ihres Herzens, dass ein allmächtiger Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, über ihnen steht, den sie ehren und nach dessen Willen sie fragen und leben sollen. So heißt das erste Gebot: „Ich bin der HERR, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“Luther sagt dazu: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Das Gebot fordert das ganze Herz des Menschen und dass wir alle Zuversicht auf Gott allein und auf niemand und nichts anderes setzen. Was Gottes unveränderlicher Wille für uns ist, erfahren wir aus den dann folgenden Geboten. Sie fließen gleichsam aus der Quelle des ersten Gebots. So sind Gottes Gebote ein ganzes, das wir in allen Einzelheiten zu halten schuldig sind. Jesus macht uns das in seiner Bergpredigt nachdrücklich klar. Über den inhaltlichen Zusammenhang und Sinn der Gebote sagt er: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“(Mt. 22, 37-40).

 

Es reicht also nicht, wenn man um die Existenz Gottes weiß, niemand totgeschlagen oder bestohlen hat, vor Behörden und Gerichten die Wahrheit spricht und seinen Ehegatten nicht betrügt. Dass das genügen würde, so oberflächlich und äußerlich dachten viele Zeitgenossen Jesu, und so denken auch noch heute die meisten Menschen. Selbstgerechtigkeit und Selbstbetrug nennt man so etwas. Diesen Menschen predigt Jesus immer wieder, dass sie mit dem Vermeiden der groben äußerlichen Sünden, wie Mord, Diebstahl, Meineid, Ehebruch noch lange nicht Gottes Willen und Gesetz erfüllt hätten. Nein, schon mangelndes Vertrauen zu Gott, unwahrhaftige Worte und Gesten, Herzensregungen der Feindschaft, der Schadenfreud, der Missgunst, des Neides, der Habsucht und des Egoismus brechen Gottes Gesetz. Und selbst wer Böses vermeidet, es aber unterlässt, freudig und dankbar Gott zu ehren und selbstlos seinem Nächsten Gutes und Liebe zu erweisen, der sündigt.

 

Wer wird aus dieser Sicht noch von sich behaupten können, er liebe wahrhaft von ganzem Herzen und Gemüte Gott und seinen Nächsten wie sich selbst! Deshalb schreibt der Apostel Johannes: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“(1.Joh. 1,8).

 

Wer aber die heiligen Gebote des allmächtigen Gottes nicht beachtet und bricht, der ist dem Strafgericht Gottes verfallen. An vielen Stellen der Heiligen Schrift hören wir, dass Gott gerecht ist und die Sünde straft. Nach der Gerechtigkeit Gottes sind wir alle der Strafe des Todes und der Verdammnis verfallen, denn wir alle haben Gottes Gebote gebrochen. Und wer auch nur in wenigen Dingen den heiligen Willen Gottes missachtet, ist dieser Strafe schuldig. Wenn Jesus dies den Menschen predigte, dann erschraken sie und fragten entsetzt wie auch seine Jünger: „Ja, wer kann dann selig werden?“,und Jesus antwortete ihnen:„Bei den Menschen ist's unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich“(Mt. 19, 25.26). Das heißt, dem Menschen, so sehr er sich auch mühen mag, ist es aufgrund seiner von Adam und Eva ererbten Veranlagung zur Sünde unmöglich, ganz nach dem Willen Gottes zu leben. Der Weg, durch eigene Gerechtigkeit ins ewige Leben gelangen zu wollen, ist ein bitterer aussichtsloser Irrweg. Von diesem hoffnungslosen Weg will uns Jesus wegführen. Er sagt, dass da eine andere Verheißung und Hoffnung ist. Wir sollen nicht mehr weiter auf unseren Gehorsam, auf unsere Kräfte, Fähigkeiten und Werke vertrauen, sondern auf Gottes Weg schaue, denn bei ihm sind alle Dinge möglich.

 

Welchen anderen Weg weist uns nun Gott ins ewige Leben? Jesus antwortet uns darauf:„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“(Joh. 14,6). Wodurch ist uns Jesus der Weg ins ewige Leben? Aus Liebe, um uns vom ewigen Tod zu erretten, hat Jesus die Sünden aller Menschen auf sich genommen und dafür die gerechte Strafe Gottes erlitten.; so starb Jesus stellvertretend für uns den Tod am Kreuz.

Und nicht allein die Strafe für unsere Sünden hat Jesus uns abgenommen, sondern er hat auch als Einziger Gottes Gebote in ihrem ganzen Umfang und ihrer ganzen Tiefe erfüllt – er war ohne Sünde. Jesu Liebe zum Vater im Himmel und seine Liebe zu uns Menschen ist unermesslich und unerschöpflich. Um in Sohnesliebe dem Vater im Himmel gehorsam zu sein und aus Liebe zu uns ist er den Weg des Leidens bis ans Kreuz gegangen. Dieses ist die höchste Erfüllung des göttlichen Gesetzes und aller Propheten.

 

Glauben wir so an Jesus, als an unseren Retter und Heiland, dann brauchen wir keine Angst mehr vor der ewigen Strafe für unsere Sünden zu haben. Dann brauchen wir nicht mehr ängstlich und verkrampft unsere Seligkeit selbst erarbeiten, verdienen oder erwerben wollen, was doch niemals gelänge. Jesus, der Christus, hat sich für unsere Sünden als Opferlamm gegeben, und als wahrer Mensch hat er in allem nach Gottes Willen und Gebot gelebt. Durch sein Leben und Sterben hat Jesus allen, die im Glauben in seiner Gemeinschaft stehen, das ewige Leben erworben.Diese frohe Botschaft, das Evangelium, allen Menschen zu verkündigen, damit sie Jesus Christus als ihren Herrn und Retter bekennen und so einst selig werden, das ist die vornehmste Aufgabe der Kirche Jesu Christi.

 

Nun wurde zur Zeit der Apostel und auch heute noch gefragt: Wenn das göttliche Gesetz Christus für uns erfüllt hat und wir durch ihn Vergebung unserer Sünden haben, dann sind doch die Gebote Gottes für uns mehr oder weniger gegenstandslos geworden und wir können nach unserem eigenen Willen leben und entscheiden und wer anderes behauptet, der sei „alttestamentlich-gesetzlich“. Paulus sagt zu dieser versuchlichen Argumentation: Zur Freiheit in Christus seid ihr berufen, aber seht zu, dass ihr nicht der sündigen Begierde Raum gebt und durch sie wieder unfrei werdet (Gal. 5). Der Apostel Petrus mahnt, dass wir unsere Freiheit nicht zum Deckmantel der Bosheit missbrauchen, sondern in den Dienst Gottes stellen sollen (1.Petr. 2,16). Paulus beantwortet die Frage, ob durch den Glauben das Gesetz aufgehoben sei (Röm. 3, 31): „Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.“ Nämlich aus Liebe, Dankbarkeit und persönlicher Verbundenheit mit Jesus werden wir als Gläubige uns gern mit allen Kräften bemühen, nach dem Willen unseres Herrn zu leben. Wir werden daraus keine Verdienst oder Anspruch ableiten wollen. Wahre Liebe rechnet nicht und fordert nichts! Und haben wir aus Schwachheit doch wieder einmal der Sünde nachgegeben, so werden wir den Herrn herzlich um Vergebung bitten und dann wieder neu den täglichen guten Kampf des Glaubens gegen die Sünde in uns aufnehmen.

 

Lehrt und predigt die institutionelle Kirche so von Gottes Geboten und Gottes Gnade in seinem Sohn Jesus Christus, dann handelt sie im Auftrag und in Vollmacht des Herrn. Solche Predigt hat die Verheißung, dass durch sie Menschen ins ewige Leben geführt werden.Diese Verkündigung ist, wie der Apostel Petrus schreibt,die reine unverfälschte Milch des Evangeliums. Die frohe Botschaft von Jesus Christus ist wie lebenspendende und lebenserhaltende Milch – rechte Milch für das ewige Leben.

 

Wo aber das Werk Jesu von anderen Themen mehr oder weniger verdrängt oder überlagert wird, wo andere Schwerpunkte in der Verkündigung gesetzt werden, da wird die Milch des Evangeliums verwässert oder gar durch weltliche Limonade ersetzt. In dem Maße wie der Grad der Verwässerung zunimmt, nimmt die lebenserhaltende Kraft der Milch ab.

 

Nun wird eingewandt, die Kirche müsse mit der Zeit gehen. Allein die Botschaft von Jesus Christus, wie ihn die Bibel bezeuge, sei wenig aktuell und reich nicht aus, die heutigen Probleme zu lösen. Eine Predigt über Gottes heilige, unwandelbaren Gebote und Lebensordnungen und über die daran deutlich werdenden Verfehlungen - Sünden – wird von der sich selbst überhebenden Welt als Bevormundung empfunden.

Diese Ablehnung der Botschaft Christi durch die gefallene Welt ist jedoch nicht neu, schon die Apostel wurden damit konfrontiert: Der Apostel Paulus setzt dem entgegen:„Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft“(1.Kor. 1, 18) und„weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt die zu retten, die daran glauben.“(1. Kor. 1,21).

 

Die Zentrierung der christlichen Verkündigung auf Jesus Christus und die Vergebung der Sünden in seinem Namen bedeutet nun nicht, dass die Kirche überhaupt nicht auf aktuelle Fragen und Probleme eingehen dürfe. Doch muss dies in der Weise geschehen, das diese in das Licht des göttlichen Wortes gestellt werden. Dann wird deutlich werden, dass die heutigen Probleme ihrem Wesen nach gar nicht so neu sind, sondern nur aktuelle Parallelen zu den biblischen Lehrgeschichten. Es wird aufzuzeigen sein, dass gerade auch die Zeitfragen und Tagesthemen unter den Vorzeichen der Sünde und der Zusage der Vergebung der Sünden im Namen Jesu Christi zu sehen sind. Gottes Gebote und Lebensordnungen und das Evangelium von der Vergebung der Sünden im Namen Jesu Christi weisen uns auch heute im Alltag unseren Weg. Es ist der Weg der Gnade Gottes in seinem Sohn; es ist der Weg ins ewige Leben.

 

Der dreieinige Gott erhalte uns und unseren Nachkommen die reine unverfälschte Milch des Evangeliums, damit wir treu erfunden werden und viele Menschen eingehen können ins ewige Leben.

 

Detlef Löhde, Stade 1987

 

Als Nachwort verweise ich auf Prof. Dr. Reinhard Slenczka,

in Info-Brief April 2015, Nr. 291, "Kein anderes Evangelium":

 

"Nun weiß alle Welt, dass der Mönch Luther von der Frage "Wie finde ich einen gnädigen Gott?" zutiefst gequält wurde. Ebenso unentwegt wird dann behauptet, dass den heutigen Menschen andere Fragen bewegen wie z.B. "wer bejaht mich so, wie ich bin?" "habe ich eine Daseinsberechtigung, auch wenn ich versage?", "wie finde ich einen gnädigen Nächsten?", "wie findet mein Leben einen Sinn?", "wie können wir diese Welt vor ihrer Selbstzerstörung retten?", "wie können wir den Krieg, die Ungerechtigkeit, die Zerstörung der Schöpfung verhindern?" - kurz: "wie können wir das Paradies auf Erden wieder herstellen?"

 

In kirchenamtlichen Erklärungen wird dann versucht, auf solche selbsterfundenen Fragen eine Antwort zu geben, um Interesse an der Kirchenorganisation zu wecken und dafür zu werben. Es wird jedoch jedem auffallen, dass diese und ähnliche Fragen sich alle nur um das Wohlbefinden des Menschen und damit um eine Wohlstandsgesellschaft drehen, nicht aber um die ewige Seligkeit. Es geht also um das, was Christen tun sollen, nicht um das, was Christus für uns getan hat. Damit stehen wir heute vor genau demselben Fehler wie zur Reformationszeit, dass der Glaube durch Werke ersetzt wird und die Herzen in Angst um das Überleben auf dieser Erde versetzt werden.

 

Es geht beim Glauben nicht um die Frage, die ein Mensch hat oder nicht mehr hat und mit denen er sich vor dem Anspruch Gottes versteckt, wie das seit Adam und Eva geschieht, sondern es geht um das, was Gott sagt und tut in Wort und Sakrament, wo er uns sucht, nach uns fragt, sich mit uns verbindet."


Detlef Löhde

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