Votum für eine Erdbestattung und gegen eine Feuerbestattung

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Noch vor einigen Jahrzehnten war für Christen eine Feuerbestattung keine Alternative. Hauptsächlich Atheisten ließen sich nach ihrem Tod als Bekenntnisakt verbrennen. Sie wollten deutlich machen, dass nach dem Tod absolut alles aus sei und sie weder ein Gericht Gottes fürchten, noch auf eine Weiterexistenz hoffen würden. In dieser Zeit verweigerten die Kirchen gottesdienstliche Trauerfeiern zu einer Feuerbestattung. Lagen sie damit völlig falsch? Heute haben sich die Dinge dahingehend geändert, dass sich auch Christen aus unterschiedlichsten Gründen verbrennen lassen, die Kirchen mitwirken und keine Einwände mehr vorbringen. Bestehen aber wirklich keine Bedenken mehr?

 

Sicher kann man nicht behaupten, dass ein Mensch allein aufgrund seiner verfügten Verbrennung nicht mehr auferstehen könne. Die Auferstehung zum ewigen Leben hängt allein vom Glauben an den für uns ans Kreuz gegangenen und auferstandenen Herrn Jesus Christus ab. Aber welche Gründe stehen dann einer Verbrennung entgegen?

 

In der Bibel wird uns ausschließlich von Begräbnissen berichtet und auch unser Herr wurde begraben, das heißt sein Leichnam wurde sorgfältig und ehrfürchtig in ein Felsengrab gelegt, um ihn dem gottgesetzten Prozess des Verfalls und der Verwesung zu überlassen. Vom Verbrennen eines Menschen ist in der Bibel nur als ein gottloser Frevel oder als eine göttlichen Strafe die Rede. Eine Feuerbestattung lag in Israel und auch bei den umliegenden semitischen Völker außerhalb ihrer Perspektive. Auch die ersten christlichen Gemeinden aus den Heidenvölkern in Kleinasien, Rom und anderswo haben, im Gegensatz zu ihren heidnischen Mitbürgern, bekenntnisartig keine Feuerbestattungen mehr vorgenommen. Daran haben die Christen bis weit ins 20. Jahrhundert festgehalten.

 

Kann man nun geltend machen, dass es sich bei der Erdbestattung und Ablehnung der Feuerbestattung also lediglich um eine Tradition handele? Traditionen entstehen und halten sich nicht aus dem Nichts, sondern ihnen liegt immer eine Wurzel zugrunde. Und die Wurzel der Ablehnung einer Feuerbestattung halte ich biblisch für wohl begründet.

 

Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen (1. Mose 3, 19) und zwar zu einer Einheit von Leib und Seele. Nach der Verbannung aus dem Paradies muss aber jeder Mensch aufgrund seiner Sünde einmal sterben. Gott zieht von ihm nach seinem Ratschluss den Odem des Lebens ab – die Seele (Ps. 104, 29.30). Die Einheit des Ebenbildes Gottes von Leib und Seele zerreißt. Der verbliebene Leib, der Leichnam, ist jedoch nichts Minderwertiges wie es die Philosophie, insbesondere die griechische, behauptet. Entgegen allen Vorurteilen ist die biblische Botschaft Gottes nicht leibfeindlich, sondern leibfreundlich – Gott hat in seinem Sohn selbst einen Leib angenommen.

 

Der Leib ist gottgewollter Teil des Ebenbildes Gottes. Und Jesus spricht von dem Tempel seines Leibes (Joh. 2, 21). Der Apostel Paulus mahnt uns Christen zu bedenken, dass unser Leib ein Tempel Gottes ist (1.Kor. 3, 16; 6, 19). Was bedeutet das für unseren Umgang mit unserem Leib und auch unserem Leichnam? Allein Gott ist der Herr über Leben und Tod seines Ebenbildes und über Anfang und Ende seines Tempels. Allein Gott gibt und nimmt das Leben des Menschen mit Leib und Seele. Der Mensch darf sich nicht am Ebenbild und Tempel Gottes vergreifen. Das heißt, es ist ihm verwehrt, sich selbst das Leben zu nehmen und auch, eigenmächtig seinen Leichnam verbrennen zu lassen. Gott ist der Herr sowohl über die Seele als auch über den Leib des Menschen. Dass die Seele nicht mehr im Leib ist macht ihn deshalb nicht wertlos und entlässt ihn nicht aus der Verfügungsgewalt Gottes. Gott ist es auch vorbehalten, über das endgültige Ende des Leibes zu bestimmen.

 

Gott hat für die aus dem Paradies vertriebenen Menschen bestimmt (1.Mose 3, 19): „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst Erde werden.“ Der Mensch soll sich nicht eigenmächtig zu Asche verbrennen lassen, sondern soll nach den von Gott gesetzten natürlichen Gesetzmäßigkeiten des Verfalls und der Verwesung wieder zu Erde werden.

 

Mit einer Erdbestattung sollten wir uns zu dieser Ordnung Gottes bekennen, Zeichen setzen für die verlorenen gottfernen Menschen in der Welt, wie es die Christenheit über fast 2000 Jahre getan hat.

 

Detlef Löhde

 

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