Wem gehört unser Geld?

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- Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist... -

 

Gibt es so etwas wie eine christliche Ethik im Umgang mit Geld? Hören wir von dem Umgang mit Geld auch etwas aus der Bibel? Ja, vielleicht mehr als uns lieb ist. Jesus fragt uns nämlich, was ist für euch das Höchste? Worum kreist euer Leben, euer Denken und Handeln? - Um's „liebe Geld“? Ob im persönlichen Leben oder in der Politik, fast alle Entscheidungen lässt man heute weitgehend vom Geld bestimmen, „ob sich's denn rechne“, fast alle Lebenbereiche sind kommerzialisiert. All zu oft geraten Sinn und Verantwortung der uns obliegenden gesellschaftlichen Aufgaben, z.B. die medizinische Hilfe, die Versorgung der Alten, die Erziehung und Bildung, das kulturelle Angebot, wirtschaftliche Fairness und Gerechtigkeit in den Hintergrund und Geld und Gewinn schieben sich in den Vordergrund. Sie werden zum eigentlichen Motiv des Handelns. Das Geld ist zum entscheidenden Faktor und Maßstab für fast alles geworden, „Geld regiert die Welt“. Geld ist zur Sinnstiftung pervertiert. Damit aber ist Geld zum eigentlichen Gott, ja, zum Götzen, geworden, von dem man all sein Handeln bestimmen lässt und von dem man Glück und Sicherheit erhofft und erwartet.

 

So wie einst der reiche Kornbauer im Lukasevangelium, 12, 16 ff., zu sich selber sprach: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre – heute würde er sagen „ich habe ein hohes Kontoguthaben bei der Bank“ - habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.“ sagt Jesus, und "Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat."

Jesus stellt fest (Mt. 6, 24; Lk. 16, 10-13): Man kann nicht zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon, also dem Geld. Und der Apostel Paulus schreibt (1. Tim. 6,10): „Habsucht ist die Wurzel alles Übels.“

 

Das heißt nun nicht, dass Geld zu besitzen an sich böse oder sündhaft wäre, sondern dass wir ihm den richtigen Stellenwert zumessen sollen. Dass nicht Geld unser unsichtbarer Herr wird, dass wir nicht unser Leben und unser ganzes Denken darauf bauen. Wir sollen nicht dem Geld dienen, sondern das Geld soll uns und unseren Nächsten zum Besten dienen. Und uns soll bewusst sein, dass wir Gott auch in unserem Umgang mit Geld verantwortlich sind. Weil uns letztlich unser Geld von Gott anvertraut worden ist, um damit etwas Gutes und Verantwortungsvolles tun. Wem gehört unser Geld? – Gott gehört es, wir sind nur seine Haushalter, seine Finanz- oder Bankbeamten, dem ein Verwalterlohn zusteht. Das heißt, das Geld, das uns anvertraut ist, ist uns nicht ausschließlich für unsere eigenen egoistischen Bedürfnisse und für unseren Luxus gegeben. Das hat sogar in der weltlichen Gesetzgebung seinen Niederschlag gefunden. In Artikel 14, Abs. 2 GG heißt es: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Wir sollen unserer Geld, das wir nicht zum unmittelbaren Leben brauchen, zum Nutzen unserer Nächsten anlegen und verwenden, sollen von diesem Geld auch etwas zur Unterstützung und Hilfe für Notleidende geben. Das Gleichnis Jesu vom armen Lazarus und reichen Mann (Lk. 16, 19 ff.) soll uns dafür eine Warnung und ein Appell sein. Wer in diesem Leben im Reichtum schwelgt und ihn die Not des Anderen nicht rührt, der wird Pein erleiden. Die Nächstenliebe, die christliche Tugend, steht für die Hilfe an Notleidenden und gegen jedes sinnlose egoistische „Geld verprassen“, gegen "Geld verbrennen", etwa in der Spielbank.

Gott erwartet von uns eine treue Haushalterschaft über das uns anvertraute Geld. Jesus erzählt das Gleichnis von dem Herrn, der seinen Knechten jeweils eine unterschiedliche Menge an Silber – also an Geld - anvertraut hat, damit sie damit für ihn wirtschaften sollen. Und dann wird er von ihnen einmal Rechenschaft fordern, was sie denn mit dem Anvertrauten angefangen haben (Mt. 25, 14-30; Lk. 19, 11 ff.) Wir sollen Gottes gute Haushalter sein und mit dem uns anvertrauten Geld im Sinne Gottes wirtschaften. Dem faulen Knecht, der das ihm anvertraute Geld vergraben hat, sich seinem Auftrag entzogen hat, für seinen Herrn zu wirtschaften, dem hält Jesus vor, hättest du das Geld auch nur zur Bank gebracht, dann hättest du für mich damit wenigstens Zinsen erwirtschaftet.

 

 

Verantwortlich mit Geld haushalten und umgehen, verantwortlich mit Geld wirtschaften, das bedeutet:

 

1. Bei jedem Vorhaben muss man zunächst fragen, was ist realistisch, reicht mein Geld für mein geplantes Vorhaben oder würde ich mich übernehmen – also seriös und solide bleiben. Ich denke da an den Flughafen in Berlin, an die Elbphilharmonie aber auch an so manche in Erwägung gezogene soziale Vorhaben.

Projekte anzusteuern, obwohl man dafür kein Geld hat und dann Schulden zu machen, von denen man nicht weiß, ob man sie jemals begleichen kann, ist eine Form des Diebstahls. Jesus erzählt in dem Gleichnis vom Schalksknecht (Mt. 18, 23ff.) von solchem Menschen, der Schulden gemacht hat, die er niemals hätte begleichen können und damit damals samt seiner Familie der Schuldknechtschaft verfallen war. Hoffentlich führt die gegenwärtige Staatsverschuldung nicht auch einmal uns und unsere Kinder in eine Art "Schuldknechtschaft". 

Finanzielle „Traumtänzerei“ hat es also wohl schon zur Zeit Jesu gegeben, denn er warnt (Lk 14, 28): „Wer ist unter euch, der eine Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen? Damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht ausführen.“

 

2. Von einem Haushalter, also einem der fremdes Geld verwaltet, wird Treue erwartet. Das heißt, dass er sich nicht über seinen ihm zustehenden angemessenen Verwalterlohn zusätzlich illegal etwas in die Tasche steckt oder einem Dritten etwas unberechtigt zuschanzt. Ich denke an die Strafprozesse wegen Untreue, Bestechung und Korruption in der Verwaltung, im Bankwesen, in der Politik, im medizinischen Bereich, im Sport.

Jesus spricht dazu warnend (Lk. 16, 10.11, LÜ u. K. Berger): „Wenn ihr nun mit dem Geld aus der ungerechten Welt nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut - den himmlischen Schatz (Gottes Gnade, Liebe und ewiges Leben) – anvertrauen? Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.“

 

3. In der Welt, jenseits des Paradieses, leben wir in einer staatlichen Ordnung, haben uns einer Regierung unterzuordnen, solange sie von uns nichts verlangt, was gegen Gottes Gebote verstößt. Zur Bewältigung ihrer Aufgaben hat die Regierung das Recht, von ihren Bürgern Steuern zu verlangen. Und wir haben kein Recht, die Steuern zu verweigern oder zu hinterziehen, auch wenn wir mit der Regierung oder der Verwendung der Steuern nicht einverstanden sind, oder uns die Steuern zu hoch erscheinen.

 

Dass wir in unserer Zeit und in unserem Staat die legale Möglichkeit haben, auf verbandsmäßigem, politischem oder gar gerichtlichem Weg, Rechenschaft über die Verwendung der Steuergelder zu fordern und Kritik an den Steuergesetzen zu üben, bleibt unbenommen, aber zum sogenannten Steuerstreik darf nicht gegriffen werden.

 

 

Und wir können doch positiv feststellen, dass bis auf ärgerliche Ausnahmen, die Steuern in unserem Staat grundsätzlich zum Wohle der Bürger ausgegeben werden. Steuerzahlen ist also ein Akt der Loyalität gegenüber dem Staat, ein Beitrag zum Gemeinwohl und zur Solidarität mit den Schwächeren. Wer sich dem entzieht, in dem er eben Steuern hinterzieht, der ist kriminell. Man will ganz einfach das schöne Geld lieber für sich behalten. Steuer zahlen, also Geld hergeben, war noch nie populär - tun die meisten von uns doch auch nicht allzu gerne. Von den massenhaften Steuerhinterziehungen hören wir ja immer wieder aus den Medien und da sind unter den Tätern nicht nur Millionäre, sondern auch viele Normalverdiener, bis hin zu Rentnern. Den meisten ist wohl nicht bewusst, dass sie nicht nur gegen staatliche Gesetze verstoßen, sondern eben auch gegen Gottes Gebot. Paulus schreibt (Röm. 13, 5.6), es ist notwendig sich dem Staat unterzuordnen und Steuern zu zahlen, nicht allein aus Angst vor der staatlichen Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Steuern zahlen ist Gewissenssache!

Die Gegner Jesu wollten ihn mit der Steuerfrage aufs Glatteis führen (Mt. 22, 15-22). Sie fragten ihn scheinheilig, ob es den recht sei, dem heidnischen Kaiser der römischen Besatzungsmacht Steuern zu zahlen. Hätte Jesus „nein“ gesagt, dann hätten sie ihn bei den Römern denunziert, würde er ja sagen, dann würde er wohl seine Beliebtheit beim Volk einbüßen. Jesus aber fragt sie: „Welches Bild ist auf der Münze? - Des Kaisers! „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.“ Jesus sagt uns also, dass es unsere Pflicht ist, Steuern zu zahlen, vor allem aber auch Gott das Seine zu geben – nämlich anbetende Ehre, Liebe und Gehorsam. An dem letzten gemessen wird das Steuerzahlen zur Kleinigkeit, zur unwichtigen weltlichen Nebensache, die man schnell erledigt.

 

Zu dem „Gott geben, was Gottes ist“ gehört aber auch, dass wir für die Ausbreitung der Botschaft Jesu Christi, nämlich zur Finanzierung des Lebensunterhalts der Pastoren, einen finanziellen Beitrag leisten (Kirchbeitrag, Kirchensteuer). Selbst Jesus hat den Tempelgroschen gezahlt (Mt. 17, 24-27).

 

Der Apostel Paulus wiederholt später noch einmal die Pflicht zum Steuerzahlen an den Staat (Röm. 13, 1.6.7; K. Berger): „Jeder soll sich der Staatsgewalt unterwerfen. Denn alle Gewalt ist von Gott eingesetzt. Wer sich nicht der Staatsgewalt unterwirft, widersetzt sich daher der Anordnung Gottes. Deswegen müsst ihr auch Steuern zahlen! Denn die Staatsgewalt ist Gottes ausführendes Organ... und kann daher die Steuern eintreiben.“

Und natürlich sind die Politiker und Beamten hinsichtlich der Verwendung der Steuergelder nicht nur dem Parlament und den Bürgern, sondern eben auch Gott verantwortlich. Paulus schreibt, dass die Staatsdiener doch zugleich und vor allem Gottes Diener sind, die zum Besten der Bürger handeln sollen (Röm. 13, 4). Deshalb gilt: So wie das Steuerzahlen Gewissenssache ist, so ist auch das Ausgeben von Steuergeldern Gewissenssache!

 

Wir wissen aber auch, ob als Steuerzahler oder Verwalter der Ausgaben von Steuergeldern oder einfach als Besitzer von Geld, selbst mit gutem Willen werden wir leider auch immer wieder vorwerfbar falsch und unvollkommen mit dem uns anvertrauten Geld umgehen. Deshalb stellen wir diesen Lebensbereich unter die Vergebung Gottes, was uns nicht davon entbindet, nach bestem Wissen und Gewissen mit Geld umzugehen.

 

Detlef Löhde

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