Gibt es eine Hölle?

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Viele Menschen wollen heute die Existenz einer „Hölle“ nicht mehr wahrhaben und sie dem Mittelalter und der Phantasie zuschreiben. Die Hölle hat ja etwas mit Gottes Gericht und Strafe zu tun. Dass sich der Mensch einmal für all sein Tun vor Gott wird verantworten müssen und nicht jeder automatisch in den Himmel kommt. Das empfindet der glaubensferne Mensch naturgemäß als bedrückend und verdrängt die Gedanken von Gottes Gericht und Strafe und einer Hölle. Selbst etliche Theologen bestreiten die Existenz einer „Hölle“, obwohl in der Bibel warnend von der Hölle die Rede ist.

 

Dass es eine Hölle gibt („Feuerhölle“ – aram.-griech. „Gehenna“, lat. „Inferno“), also einen Ort der Gottesferne, der Strafe und ewigen Verdammnis nach dem Gericht Gottes, ist das eindeutige Zeugnis des Alten und des Neuen Testaments. Siehe Matthäus Kap. 13, Verse 42 u. 50, übersetzt mit „Feuerofen“ sowie Kap. 25 Verse 41, 46 und Kap. 23, Verse 15 u. 33. Die Hölle steht immer im Zusammenhang mit Gottes Endgericht (vgl. Endzeit- und Gerichtsreden Jesu). Zuletzt wird der Teufel in den „feurigen Pfuhl“ geworfen (Offb. 19,20). Oft wird auch anstelle von „Hölle“, von der „Verdammnis“, vom „Verlorengehen“, von „ewiger Qual“, vom „ewigen Tod“ gesprochen.

 

Außerdem wird im Alten und Neuen Testament noch der Begriff des „Reiches des Todes“ gebraucht (hebr. „Scheol“, griech. „Hades“). Im Alten Testament bezeichnet der Begriff mitunter nur neutral den Aufenthaltsort der Toten, aber im Neuen Testament hat er durchgängig den Charakter eines Ortes der Strafe, wie z.B. in Jesu Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16, Verse 23 ff.). Deshalb erscheint die zwischen der Römisch-katholischen Kirche in Deutschland und der EKD im Jahr 1971 vereinbarte neue gemeinsame deutsche Fassung des Apostolikums, in dem es statt „niedergefahren zur Hölle“ jetzt verharmlosend heißt, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, als eine bedenkliche Abmilderung. Der anstößige Begriff „Hölle“ mit ihrem göttlichen Strafcharakter ist so weggefallen und trägt damit dem Zeitgeist Rechnung.

 

Wie vom „Himmel“ und „Paradies“ ist in der Bibel auch vom „Reich des Todes“ und der „Hölle“ die Rede. Von diesen, uns Menschen verborgenen Orten und Seinsweisen jenseits der Welt und Zeit, spricht Gott zu uns nur in Gleichnissen und einer Bildersprache, weil wir es anders nicht fassen könnten. Die mittelalterlichen phantastischen Ausmalungen der Hölle sind dagegen nur Menschenwerk.

 

Luther sagt: „Was aber die Hölle sei vor dem Jüngsten Tage, bin ich noch nicht allzu gewiß, aber am Jüngsten Tag wird ein sonderlicher Ort die Hölle sein, da die sein werden, die in der Hölle und ewigen Zorn Gottes so verdammt sind.“ Die Hölle ist also der Ort, der von Gott beim Gericht in die Gottesferne Verdammten und ihrer gerechten Strafe!

 

Jesus Christus spricht:

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle“ (Mt. 10, 28).

Du (Kapernaum) wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden“(Mt. 11, 23).

Als er (der reiche Mann) in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß“ (Lk. 16, 23).

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer...Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen“ (Mt. 23, 33)?

Dann (beim Weltgericht) wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln“ (Mt. 25, 41).

 

"Hölle" ist Gottesferne, wo es keine Nähe Gottes mehr gibt und damit keine Liebe, kein Licht, keine Freude, kein Leben, sondern das Gegenteil. Wir wissen nicht, wen Gott aus seiner Nähe verbannen wird. Aber wir haben die göttliche Verheißung und Zusage, dass alle, die an den Sohn Gottes Jesus Christus glauben und auf sein Kreuzesopfer zur Vergebung unserer Sünden vertrauen, ins ewige Leben eingehen werden. Christus-Gläubige dürfen und sollen sich ihres Heiles, des ewigen Lebens, des Himmels, gewiss sein und brauchen sich nicht vor der Verdammnis Gottes, vor der Hölle, zu fürchten. Das ist die frohe Botschaft Jesu Christi - das Evangelium.

Wie Jesus spricht (Joh. 5, 24):

"Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen."

 

Seine Jünger ermahnt Jesus, dass sie nicht wünschen oder entscheiden wollen, welcher Mensch in die Hölle komme. Das ist mit den Worten gemeint, mit denen uns untersagt ist, andere zu verfluchen und über sie zu richten (Mt. 5,44; 7,1; Röm. 2,1; 12,14; 14,13). Das Gericht über den Menschen ist allein Gottes Sache (1.Kor. 14,13). Gott spricht (2. Mose 33, 19; Röm. 9, 15): "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich."

 

Die ev.-lutherische Kirche hat keine besondere „ausmalende Höllenlehre“ im Gegensatz zur mittelalterlichen Röm.-kath Kirche und den heutigen Sekten, die meinen, alles ganz genau zu wissen. Die Evangelisch - Lutherische Kirche verweist nur warnend auf den Wortlaut der Bibel und auch die ev.-lutherischen Bekenntnisschriften zitieren nur die Bibelworte.

 

Zwischen der Röm.-kath. Kirche und der Reformation war das Vorhandensein der Hölle nie strittig!

Die reformatorische Theologie bestreitet jedoch gegenüber der Röm. - Kath. Kirche, dass jeder gestorbene Mensch, auch wenn er Christ ist, schon vor dem Tag des göttlichen Gerichts durch ein längeres oder kürzeres qualvolles reinigendes „Fegefeuer“ gehen müsse.

Auch die daraus resultierende Röm.- kath. Lehre wird abgelehnt, dass die Kirche gegen bestimmte „Bußleistungen“, früher auch Geldzahlungen („Bußgeld“), mit einem sogenannten „Ablass“ vom Fegefeuer ganz oder zeitlich verkürzend befreien könne. Dafür gibt es keinen Anhalt in den kanonischen Schriften der Heiligen Schrift / Bibel. Diese falschen Lehren waren Auslöser der Reformation (Luthers 95 Thesen gegen den Ablass und Ablasshandel von 1517). Wahre Buße, in der uns Vergebung der Sünde und ewiges Leben im Namen Jesu Christi geschenkt wird, ist etwas ganz anderes.

 

 

Sprachwissenschaftliche Ergänzung:

Für den deutschen Begriff „Hölle“ stehen im Alten und Neuen Testament verschiedene Begriffe


Vom „Ort der Toten“ im Alten Testament

Im Alten Testament werden die Fragen nach dem, was nach dem Tode ist, nur sehr knapp und andeutungsweise beantwortet. Wir hören, dass der Gestorbene in den „Scheol“ eingeht. Das ist ein jenseitiger Ort an dem sich die Toten befinden, über deren Schicksal wir nichts Positives erfahren. Sie sind vom Leben mit seinen Aktivitäten und Freuden und von ihrem Volk abgeschnitten.

 

Eine vergleichbare Vorstellung vom Ort der Toten, allerdings mit wesentlich stärkeren Ausmalungen, hatten die antiken Griechen vom „Hades“. Deshalb wurde in der vorchristlichen griechischen Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) das hebräische „Scheol“ mit „Hades“ übersetzt.

 

In den deutschen Übersetzungen des Alten Testaments wird „Scheol“ mit Tod, Toten oder Totenreich relativ neutral übersetzt und nicht mit dem Negativbegriff der „Hölle“.

 

Die Psalmsänger wehklagen über den Tod und schreien um Errettung (Ps. 6, 6; 30, 10).

Nur an wenigen Stellen blitzt eine Hoffnung auf, wie in Psalm 16, 10 und 116, 8 und aus dem Lobgesang der Hanna (1. Sam. 2, 6): „Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten (in den Scheol) und wieder herauf.“

In der Spätzeit des Alten Testaments gibt Gott nun durch den Propheten Hosea die Verheißung (Hos. 13, 14): „Aber ich will sie aus dem Totenreich (Scheol) erlösen und vom Tode erretten.“

Und vom Propheten Jesaja hören wir Gottes Verheißung (Jes. 26, 19): „Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen.“

Der Prophet Hesekiel schildert seine Vision von der Auferstehung (Kap. 37) und vom Propheten Daniel hören wir (Dan. 12, 2): „Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.“

 


Vom „Ort der Toten“ und dem „Ort der endgültigen Verdammnis“ im Neuen Testament

 

Im griechisch verfassten Neuen Testament hören wir von Jesus und seinen Aposteln vom Ort des Todes als dem „Hades“. In unserem deutschen Neuen Testament ist nun „Hades“ nicht mit dem neutralen Begriff „Totenreich“ übersetzt, sondern mit „Hölle“.

 

Diese Übersetzung trägt dem schon in vorchristlicher Zeit eingetretenen Bedeutungswandel von „Scheol“ und „Hades“ zu einem Ort der Strafe Rechnung. Im einschlägigen „Kommentar zum Neuen Testament“ von Strack-Billerbeck, Bd. IV,S. 1017, heißt es: „Damit verlor die Scheol jede Beziehung zu den Frommen; sie kam jetzt nur noch als Strafort der Gottlosen in Betracht, u. zwar zunächst als ein vorläufiger Strafort für die Dauer des Zwischenzustands...“.

 

Jesus bestätigt das mit seiner Erzählung vom reichen mitleidlosen Mann und vom armen Lazarus (Lk. 16, 19 ff.). Der arme Lazarus, der in seinem Leben viel leiden musste, ist nach seinem Tod in „Abrahams Schoß“ und ist dort wohlbehalten ohne jedes Leid. Der reiche Mann aber befindet sich an einem Ort, an dem er Pein erleidet und nicht entrinnen und ihm auch der Lazarus nicht helfen kann. Dieser jenseitige Ort der Strafe und Pein wird im Neuen Testament mit „Hades“ bezeichnet. Deshalb wird das neutestamentliche „Hades“ ins Deutsche zurecht mit „Hölle“ übersetzt.

 

Jesus sagt uns dann weiter, dass er am Ende der Zeit und Welt zum Weltgericht wiederkommen wird. Dann werden alle Toten, Gerechte und Ungerechte, auferstehen und zusammen mit den dann Lebenden von ihm endgültig gerichtet werden. Die einen werden ins ewige Leben zu ihm eingehen und die anderen werden in die ewige Verdammung verbannt. Der Ort der endzeitlichen ewigen Verdammnis ist die „Gehenna“, der feurige Pfuhl, die Feuerhölle, in die auch der Satan geworfen werden wird (Mt. 25, 41.46; 23, 15.33; 10, 28).

 

 

Der Ort der ewigen Verdammnis nach dem Jüngsten Gericht wurde bereits im vorchristlichen Judentum als „Gehenna“ benannt. Ins Deutsche wird nun „Gehenna“ wie auch „Hades“ mit „Hölle“ übersetzt. Dem im Neuen Testament verwendeten deutschen Begriff „Hölle“ liegen also im griechischen Urtext zwei unterschiedliche Worte zugrunde:

  • Hades“ als dem Ort nach dem persönlichen Tod bis zum Jüngsten Gericht (Mt. 16, 18; Lk. 16, 23; Apg. 2, 27.29.30)

und

  • Gehenna“ als dem ewigen Strafort nach dem Jüngsten Gericht (Mt. 5, 22.29.30).

Man könnte also im Neuen Testament begrifflich genauer übersetzen, den „Hades“ als die „Vor-Hölle“ und die „Gehenna“, als die „ewige Feuer-Hölle“ oder „ewige Verdammnis“.


Detlef Löhde

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