Was meint "Buße tun", weshalb sollen wir Buße tun?

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Vom Missverständnis der Buße

Wenn Menschen heute hören, dass sie „Buße tun sollen“, dann verbinden sie mit dieser Aufforderung oft genau das Gegenteil von dem, was in der Bibel gemeint ist. Deshalb wird in neuen Bibelübersetzungen meistens das Wort „Buße“ durch andere Wörter, z.B. durch „Umkehr“, ersetzt. „Buße“ wird heute automatisch mit Bestrafung verbunden. Wenn man gegen ein Gesetz verstoßen hat und angezeigt worden ist, bekommt man von der Behörde einen Bußgeldbescheid, mit dem man aufgefordert wird, zur Buße (Strafe) einen Geldbetrag zu zahlen. In dieser Weise wird dann die biblische Aufforderung „tut Buße“ leicht missverstanden, als wenn man sich nun irgendwie selbst bestrafen solle. Da tauchen dann Bilder auf von mittelalterlichen „Geißlern“, die durch das Land zogen und sich für ihre Sünden selbst auspeitschten, um Gottes Strafe abzuwenden. Oder das Bild von Menschen, die sich auf den Knien zu einer Pilgerstätte hin bewegen.

 

Was „Buße tun“ wirklich meint

Die Worte Jesu, die Martin Luther aus dem griechischen Neuen Testament ins Deutsche mit „Buße tun“ übersetzt hat, meinen etwas ganz anderes.

Mit ihnen mahnt und fordert uns Jesus auf:

  • Haltet mit eurem bisherigen Leben und Denken ein und kehrt um,

  • überprüft eure religiösen Vorstellungen und Wünsche, die sind nämlich falsch,

  • wiegt euch nicht in falscher Selbstsicherheit vor Gott,

         weil ihr Nachkommen Abrahams seid oder

         weil ihr meint, alle Gebote Gottes perfekt erfüllen zu   

         können, ihr seid vor Gott nicht gerecht und habt  

         deshalb Gottes Strafe verdient, selbst wenn ihr  

         äußerlich vielleicht rechtschaffen seid.

  • Gebt euren falschen Stolz auf und seid demütig, bekennt und bereut eure Sünden,

  • seid gegenüber den groben Sündern barmherzig und gönnt auch ihnen die Vergebung, auf die ja auch ihr angewiesen seid,

  • wendet euch mit eurem Herz und eurem ganzen Leben Gottes Gnade zu, ändert euren Sinn, erneuert euch – hört und glaubt meine Worte, folgt mir nach, 

  • lasst euch von Gott erneuern - lasst euch taufen. 

Damit die Menschen das einsehen, predigt Jesus Gottes Gebote in bis dahin nicht gehörten Umfang und Tiefe  (Gesetzespredigt). Jeder Mensch soll erkennen, dass er vor Gott kein Gerechter, sondern auch Sünder ist, der genauso auf Gottes Vergebung angewiesen ist, wie die groben Sünder - die betrügerischen Zöllner und zügellosen Huren.

Das ist so, weil in jedem Menschen die Erbsünde wohnt, auch noch nach seiner Taufe (siehe Röm. 7, 14-25).

 

Weshalb sollen wir Buße tun?

Weil die (Königs-) Herrschaft Gottes angebrochen ist, weil Jesus Christus gekommen ist, um die Sünden zu vergeben und das ewige Leben zu schenken. Das kann der Mensch aber nur erlangen, wenn er seine Sünden erkennt, bekennt (zugibt) und um Vergebung bittet. Der Weg ins ewige Leben führt allein über die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus.

 

Wann und wo hat Jesus Buße gepredigt?

Jesus predigt Buße, wenn er auf Sünden hinweist und Gottes Gebote in ihrem vollen Umfang und ihrer vollen Schärfe predigt, dass daraufhin die Menschen erschrecken, weil sie eben diesen vollkommenen Gehorsam nicht leisten können.

 

Jesu Bußpredigt – Gesetzespredigt sind:

  • Alle Droh- und Weheworte gegen Pharisäer und Schriftgelehrte und auch gegen Jerusalem.

    Aber den groben Sündern, wie der Ehebrecherin und den betrügerischen Zöllnern hält Jesus in barmherziger Weise ihre Sünden nicht mehr ausdrücklich vor, denn sie wissen von allein um ihre Sünden und bereuen sie. Da bedarf es keiner Mahnung und Drohung mehr, sondern nur noch Vergebung und Wieder-Annahme.

  • Die Forderung nach unbedingter vollkommener und gehorsamer Liebe gegen Gott, wie in 

              der Bergpredigt Jesu, Mt.5,1- 6,29,

              der Geschichte vom reichen Jüngling, Mt. 19,16ff.,

              der Forderung das größte Gebot zu erfüllen:

              "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem 

               Herzen, von ganzer Seele und von ganzem

               Gemüte. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst

               deinen Nächsten lieben wie dich selbst.",

               Mt. 22,37-40.

 

Da fragen die Zuhörer entsetzt: „Ja, wer kann dann selig (gerettet) werden?“ und Jesus antwortet:

„Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich“ (Mt.19,25.26).

Das heißt, nur durch Vergebung der Sünden, die Jesus für uns am Kreuz und durch seine stellvertretende Erfüllung aller Gebote erworben hat und uns schenken will, kann der Mensch selig (gerettet) werden.

 

 

Was meint Jesus mit „glaubt an das Evangelium“, woran sollen sie glauben?

Jesus ist gekommen, das Evangelium – die gute Botschaft von Gott zu bringen. Die Bußpredigt war nur die notwendige Vorbereitung. Das Evangelium, die gute Botschaft von Gott ist, dass er gnädig sein will, die Sünden vergeben und ewiges Leben schenken will. Und das geschieht durch Jesus, den Sohn Gottes, durch sein Wort, durch das „auf ihn vertrauen“ – an ihn und sein Kreuzesopfer glauben.

 

Welche Bedeutung hat die Predigt Jesu für seine Gemeinde / Kirche?

Von Jesus hat seine Kirche den Auftrag erhalten in seinem Sinne „Buße und Evangelium“ zu predigen:

"Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker: tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe, Mt. 28,19.20.

Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden, Mk. 16,15.

Also ist's geschrieben, dass Christus musste leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt werden muß in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern", Lk.24,46.47.

 

Nach Jesu Auftrag sollen also in seinem Namen Buße und Evangelium gepredigt werden.

Buße predigen heißt Gesetz – Gebote predigen, Sünde offenlegen.

Evangelium predigen heißt, die Vergebung der Sünden und die Gnade Gottes um des Kreuzesopfers Jesu Christi willen predigen - in Jesu Christi Namen Vergebung der Sünden zusprechen.

 

So ist die ganze Botschaft Jesu Christi ein Ruf zur Buße und ein Zusprechen-wollen der Vergebung. Die  Reformation Martin Luthers begann mit seinen 95 Thesen zur Buße von 1517: 

 

1. These: „Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein soll.“

 

Das heißt, der Mensch bekennt regelmäßig, dass er gesündigt hat gegen Gott und seine Gebote, und dass ihn seine Sünden reuen, und er bittet um Vergebung um des Kreuzes Jesu Christi willen. Darauf wird ihm - ohne irgendeine Bedingung oder Leistung - die Vergebung seiner Sünden geschenkt (Evangelium).

 

Dies erlangt er durch privates persönliches Gebet (z.B. Vaterunser), öffentliches Sündenbekenntnis im Gottesdienst (Rüstgebet), durch zustimmendes Hören der Predigt von Gesetz und Evangelium, durch die Taufe, das Abendmahl und die Lossprechung (Absolution) in der Beichte.

 

Die evangelische Beichte hat nur zwei Stücke:

 

  1. reuevolles Sündenbekenntnis und

  2. Lossprechung (Absolution).

    Dass einer, den die Sünden gereut haben, er nun Vergebung erfahren hat, dann versucht, künftig die Sünden zu meiden und eventuellen Schaden wieder gut zu machen versucht, das erwächst selbstverständlich aus Dank aus dem Glauben (Frucht des Glaubens).

 

Die römisch- katholische Kirche hat dagegen drei Stücke der Beichte:

 

  1. Sündenbekenntnis,

  2. Lossprechung unter der Bedingung einer „Genugtuung“,

  3. Genugtuung - Erfüllen der vom Priester auferlegten Bedingung, erst dann tritt Vergebung ein - nach der Bußleistung, wie auferlegte Gebete, Wallfahrt, Wiedergutmachung am Geschädigten. 

 

Mit der verlangten zusätzlichen Leistung (Gesetz) wird das Evangelium, die frohe Botschaft von der Vergebung und Erlösung um des Kreuzesopfers Christi, als nicht ausreichend eingeschätzt. Aber der Mensch kann mit keiner Leistung Gott wirklich Genugtuung leisten, er ist allein auf seine Gnade gewiesen.

 

Deshalb lehrt die Reformation Luthers:

 

Der Mensch wird selig

 

  • allein aus Gnaden, nicht durch sein Mitwirken, nicht durch seine zusätzlichen Leistungen, Gott fordert nichts zusätzlich, eine bedingte Gnade ist nicht Gottes Sache,

     

  • allein um Christi willen, das Kreuzesopfer Jesu ist ausreichend, es bedarf keiner zusätzlichen Hilfe von Maria und der Heiligen,

     

  • allein durch den Glauben, nicht schon durch die äußere Teilnahme an den Sakramenten; diese, obwohl als Gnade Gottes gegenwärtig, wirken aber nicht ohne den Glauben des Empfängers.

     

  • Allein die Heilige Schrift setzt die Artikel des Glaubens, nicht die Tradition, die Kirchenväter, das Kirchenrecht, der Papst.

 

Weiter: Der Ruf zur Bekehrung

 

 

Detlef Löhde

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