Was bedeutet Jesu Kreuzestod für uns?

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Dass Jesus in der Zeit des römischen Statthalters Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist, das bezweifelt kein ernsthafter Historiker. Entgegen der Geschichtswissenschaft bestreitet das nur der bewusst antichristliche Koran. Entscheidend aber ist, welche Bedeutung das historische Ereignis der Kreuzigung Jesu für uns und die Menschen aller Zeiten hat.

 

Von Natur aus ahnt jeder Mensch, dass er sich einmal vor Gott wird verantworten müssen. Sein Gewissen sagt ihm, dass er oft mit seinem Tun und Denken vor Gott und gegenüber seinen Mitmenschen schuldig geworden ist (vgl. Röm. 1, 18 – 2, 15). Um nicht in Selbsttäuschungen zu verfallen, hat uns Gott mit seinen eindeutigen Geboten, mit den Bußpredigten der Propheten und durch die Worte Jesu und seiner Apostel unsere Gewissen geschärft. Trotz einer äußerlich bürgerlichen Rechtschaffenheit sind wir dennoch Sünder vor Gott. Ein Sich-Herausreden und Kleinreden unserer Sünden akzeptiert Gott nicht. „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1.Joh. 1, 8).

 

Die Frage, wie der Mensch Vergebung seiner Sünden bei Gott erlangen kann, versuchen auch die menschlich erdachten Religionen, wie der Islam, zu beantworten. Doch dabei beschreiten sie Irrwege und wollen aus eigener Kraft sündlos werden, was ihnen aber nie gelingen kann und in die ewige Verlorenheit führt. Eine Tragik, die uns zur Mission aufruft.

 

Die wahre und tröstliche Antwort, wie wir Vergebung erlangen, hat uns Gott in seinem Sohn offenbart. Jesus hat die Sünden der Menschen aller Zeiten auf sich genommen und damit auch den Fluch Gottes - die für die Sünde verwirkte Strafe des Todes (5. Mose 11, 26; Gal. 3, 13). Dazu ist Jesus von Gott dem Vater in die Welt gesandt worden, „dass er gebe sein Leben zur Erlösung für viele“ (Mt. 20, 28). Glaubst du es, so hast du es, Vergebung all deiner Sünden und ewiges Leben. Wie Johannes schreibt (Joh. 3, 16): „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Was den Vater die Hingabe des einzigen geliebten Sohnes in den Tod gekostet hat, das bringt uns die Geschichte von der zunächst von Abraham verlangten Opferung seines Sohnes Isaak nahe (1.Mose 22).

 

Jesus nahm unsere Sündenstrafe auf sich und opferte sich aus Gehorsam und Liebe zum Vater, weil des Vaters Wille unsere Erlösung war (Phil. 2, 8). Und zugleich tat es Jesus aus Liebe zu uns, um uns vor der ewigen Verdammnis zu erretten. Er spricht: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh. 10, 11; 15,13). Mit der Hingabe seines Lebens erfüllte Jesus in vollkommener Weise das größte Gebot, „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt. 22, 37-39). So hat Jesus stellvertretend für uns all die Gerechtigkeit und Liebe erfüllt, die Gott von uns fordert und die wir in der Vollkommenheit nicht leisten können.

 

Das Kommen Jesu und sein Sterben am Kreuz ist die Erfüllung aller Tempelopfer sowie aller Prophetien des Alten Testaments, wie der Apostel Paulus schreibt (2.Kor. 1,20): „Christus hat euch geliebt und sich selbst dargegeben für uns als Gabe und Opfer.“ (Eph. 5,2) und „Auf alle Gottesverheißungen ist in ihm (Jesus) das Ja.“ Der Höhepunkt der alttestamentlichen Prophetie ist das Buch Jesaja. Dort lesen wir im 53. Kapitel, dass der Knecht Gottes um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen war und die Strafe auf ihm liegt. Der HERR warf unser aller Sünde auf ihn und er war wie ein Lamm, das sein Leben zum Schlachtopfer gegeben hat. Als 500 Jahre später Johannes der Täufer Jesus zu sich kommen sieht, spricht er: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh. 1, 29). In Erfüllung des Alten Testaments ist Jesus Christus unser Hoherpriester, der stellvertretend für uns, mit unserer Sünde vor Gott getreten ist und sich selbst als Opferlamm dargebracht hat (Hebr. 4, 14 – 5). Mit der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu hat Gott der Vater das Kreuzesopfer seines Sohnes und damit unsere Erlösung machtvoll bestätigt und beglaubigt.

 

Weil wir allein durch den Glauben an das Kreuzesopfer Jesu Christi Vergebung unserer Sünden und ewiges Leben erlangen, deshalb steht das Kreuz Christi zurecht im Mittelpunkt der wahren kirchlichen Verkündigung. Mit dem Nizänischen Glaubensbekenntnis bekennt die Kirche: „Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus.“ Und weil im Apostolischen Glaubensbekenntnis zwar die Vergebung der Sünde, aber nicht das „für uns gekreuzigt“ ausgesprochen wird, hat Martin Luther dazu seine Erklärung geschrieben: „Ich glaube, dass Jesus Christus...mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben...“

 

Antworten auf kritische Anfragen

Mit der Kreuzesbotschaft haben heute viele Menschen ihre Schwierigkeiten, leider bis hin zu theologischen Lehrern und kirchlichen Amtsträgern. Der Kreuzestod Jesu wird allenfalls als ein Akt der Solidarität mit den Leidenden dieser Welt verstanden. „Die Bibel sei doch voll mit Geschichten von Gott, warum diese Konzentration auf den gekreuzigten Jesus? Reicht es denn nicht, dass man an Gott glaubt?“ So reagierten schon zur Zeit der Apostel die Juden in den Synagogen und erst recht die philosophisch geprägten Griechen. Der Apostel Paulus schreibt: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft. Wir predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“(1.Kor. 1,18. 23).

 

Man fragt kritisch: „Wie kann es sein, dass Jesus uns die Sünde und damit stellvertretend Fluch und Strafe abgenommen hat? Wie kann ein Unschuldiger die Strafe für einen Schuldigen übernehmen? Die ganze Stellvertretung erscheint fragwürdig! Dass Jesus sich für uns am Kreuz geopfert hat ist nicht einsichtig und zumindest heute nicht mehr vermittelbar.“

 

Hinter solchen Einwänden steckt, dass Gott auch ohne das Kreuz seines Sohnes uns unsere Sünden vergeben würde. Wie ein Kritiker meinte „Vergeben ist doch Gottes Beruf“. Da wird der Bruch des göttlichen Gesetzes und der darüber ausgesprochene Gerichtsfluch Gottes - die verdammende tödliche Konsequenz der Sünde – nicht mehr ernst genommen. Da werden Gottes Gerichte, wie sie über die Menschheit (Sintflut), über Babel, über Sodom und Gomorra und über Israel ergangen sind und auch die Worte Jesu zum bevorstehenden Jüngsten Gericht nicht mehr zur Kenntnis genommen. Obwohl ohne Anhalt aus dem Wort Gottes, setzt man, um mit Bonhoefer zu sprechen, auf „billige Gnade“, statt auf das für uns vergossene teure Blut Jesu Christi. Aber Gottes Wort geschieht (Ps. 33, 9) - nicht nur sein vergebendes Segenswort, sondern auch sein Wort des Gerichts und Fluchs über die Sünde. Es ist ergangen und traf Jesus, den Sohn, der unsere Sünden auf sich genommen hat. Und es wird noch über die ergehen, die sich nicht von ihm vertreten lassen wollen – die ihm und seinem Kreuzesopfer nicht glauben. Als großen Mann Gottes will man Jesus gelten lassen, aber nicht als Erlöser, der stellvertretend für unsere Sünde am Kreuz gestorben ist. Dieses Verkennen Jesu entspricht der Blindheit Israels und der falschen antichristlichen Sicht des Korans.

 

Stellvertretung gab und gibt es auch im weltlichen Bereich, z.B. der Bürge, der freiwillig die Schulden eines anderen übernimmt und sie im Notfall bezahlt. Eltern, die für ihre Kinder einstehen, Botschafter, die für ihr Land eintreten. Ritter haben ihren König im Turnier und Zweikampf vertreten, in Kriegen war es üblich und statthaft, dass unschuldige Geiseln stellvertretend ihr Leben als Vergeltung für die Taten ihres Dorfes oder Volkes lassen mussten. Bei den Griechen der Antike war es und auch heute noch bei uns ist es doch höchste Tugend, wenn ein Mensch sein Leben für andere opfert. Wie z.B. der katholische Priester Maximilian Kolbe, der für einen mitgefangenen Familienvater 1941 im KZ Auschwitz in den Tod ging, oder Feuerwehr- und Rettungskräfte, die sich zur Rettung anderer in Lebensgefahr begeben. In Romanen, Dramen und Spielfilmen opfern sich Personen für andere und man ist zurecht beeindruckt. Das „Sich-stellvertretend-für-andere-zu-opfern“ ist also auch in unserer Zeit nicht unbekannt. Das Wort Jesu, das er in höchster und einmaliger Weise erfüllt hat, gilt eben auch ganz allgemein: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh. 15,13). Nicht die Stellvertretung als solche ist das Problem für die heutigen diesseits bezogenen Menschen, sondern sie wollen nicht die ernste Sündenstrafe Gottes wahr haben und andererseits können sie auch nicht die selbstlose hingebende aufopfernde Liebe Jesu zu uns nachvollziehen.

 

Im Alten Testament handelten immer wieder Menschen stellvertretend. Mose will den gerechten Zorn Gottes über das Volk auf sich lenken. Er will für das Volk „in die Bresche springen“ und stellvertretend sein Leben geben (Ps 106, 23). Der Apostel Paulus wollte sogar seine Seligkeit für sein Volk geben (Röm. 9, 3). Aber Gott will kein solches Menschenopfer. Das hat Gott mit der Geschichte von der zunächst von Abraham verlangten, dann aber verhinderten Opferung des Isaak deutlich gemacht. Anstelle des Isaak schickt Gott einen Schafbock zur Opferung. So sollen später auch im Tempel Opferlämmer und am jährlichen Versöhnungstag der Sündenbock an die Stelle des sündigen Volkes treten. Zur Verschonung des schuldig gewordenen Menschen hat Gott diese Stellvertretung zugelassen und eingesetzt. Anstelle des schuldig gewordenen Menschen sollte nur ein Opfertier, ein Opferlamm, sein Leben geben müssen. Die geforderte Hergabe des Lebens machte den Ernst und die Schwere der Verfehlung, der Sünde und des gerechten Zornes Gottes deutlich. „Ohne Blutvergießen (= Hingabe des Lebens) geschieht keine Vergebung“ (Hebr. 9, 22). Dass Gott Stellvertretung zugelassen hat, ist also nicht fragwürdig und ungerecht, sondern ein Akt der Gnade.

 

Der alttestamentliche Opferdienst war aber nicht Gottes eigentliche und endgültige Versöhnung, sondern nur ein prophetisches Symbol für die kommende. „Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen“ (Hebr. 10,1.4). Die eigentliche und endgültige Versöhnung Gottes geschieht ohne jede Mitwirkung des Menschen, sondern allein durch Gott selbst! Der Apostel Paulus schreibt (2. Kor. 5,19): “Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“

 

Jesus war also nicht irgend ein von Gott auserwählter Mensch, von dem Gott verlangt hätte, die Sünde der Menschheit und die Strafe dafür auf sich zu nehmen. Welcher selbst mit Erbsünde und Sünde behafteter Mensch könnte noch die Sünde der ganzen Welt übernehmen und Gott versöhnen? Nein, aus Liebe zu uns ist Gott selbst in Jesus Mensch geworden und hat all unsere Sünde auf sich genommen und die darüber von ihm selbst verhängte gerechte Strafe des Todes an unserer Stelle erlitten. Auf wunderbare geheimnisvolle Weise treffen im Kreuz Jesu Christi Gottes Gerechtigkeit mit seiner Strafe (Gesetz) und Gottes Liebe mit seiner Vergebung (Evangelium) zusammen. So ist uns das Kreuz Jesu Christi das Zeichen des göttlichen Gerichts und Todes, zugleich und vor allem aber auch das Zeichen der göttlichen Liebe, der Vergebung und des Lebens. Das ist das geheimnisvolle göttliche Wunder (Mysterium) des Kreuzes Jesu Christi. Diese unergründliche Gnade, diese unermessliche Liebe des dreieinigen Gottes – unsere Erlösung - sollen wir nicht hinterfragen, sondern staunend, glaubend, dankbar und anbetend im Herzen bewegen und bewahren - zu unserer Seligkeit und zur Ehre Gottes.

 

Zusammenfassung:

Jesus ist für uns gekreuzigt,

er opferte sich am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden;

das ist seine Stellvertretung für uns, seine Übernahme unserer Sünden, unserer Strafe und des Zornes Gottes;

er zahlte so das Lösegeld für unsere Befreiung vom Tod,

er ist unser Erlöser;

er versöhnt uns mit Gott; in Christus versöhnte sich Gott mit sich selber;

im Kreuz Christi treffen Gottes gerechtes Gesetz und sein gnädiges Evangelium zusammen;

so ist das Kreuz Zeichen der Gerechtigkeit u. Strafe

und zugleich der Gnade und Liebe Gottes

- Zeichen des Todes und zugleich Zeichen des Lebens für uns;

Jesus ist das (Opfer-) Lamm Gottes;

er vergoss sein Blut als Testament des Neuen Bundes,

damit wir Erben des ewigen Lebens werden;

er ist der gerechte und leidende Knecht Gottes,

er ist gekommen um uns zu dienen,

er erwirbt alle Gerechtigkeit vor Gott und schenkt sie uns,

damit wir gerecht sind vor Gott;

er lässt als der Hirte sein Leben für die Schafe;

er hat die größte Liebe, denn er lässt sein Leben für seine Freunde;

er stellt sich den Leidenden und Sterbenden an die Seite;

er erfüllt gehorsam, freiwillig aus Liebe den Willens des Vaters,

- unsere Erlösung;

er erfüllt die Aufgabe und den Auftrag des verheißenen Christus.

 

Detlef Löhde

 

Siehe ergänzend auch den Beitrag:

Warum wurde Jesus zum Tode verurteilt?

Was bedeutet Jesu Kreuzestod.pdf
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Karfreitagpredigt Joh. 19, 16-30.pdf
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Karfreitagpredigt Jesaja 53.pdf
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