Das evangelisch-lutherische Bekenntnis entspricht der biblischen Botschaft

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Wenn für alle Christen die Bibel Glaubensgrundlage ist, weshalb gibt es dann so viele unterschiedliche Konfessionen, Kirchen und Gemeinden? Ursache hierfür ist, dass sich die Einschätzung des Stellenwertes der Bibel, sowie Verständnis und Auslegung der Bibel von einander unterscheiden, ja stückweise widersprechen.

 

Das evangelisch-lutherische Bekenntnis stellt fest, dass wir aus der Bibel zuverlässig und wahrhaftig etwas von und über Gott, und wie der Mensch selig wird, erfahren. Allein die Bibel ist Regel und Richtschnur des christlichen Glaubens und Lebens.

 

Innerhalb der Bibel ist Ziel, Erfüllung und Mitte der in die Welt gekommene Sohn Gottes, Jesus Christus. Er ist zu unserer Rettung und Erlösung gekommen, in dem er an unserer Stelle, für unsere Sünden am Kreuz gestorben, dann auferstanden und zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Wenn wir das glauben, darauf vertrauen, dann haben wir durch ihn Vergebung all unserer Sünden und das ewige Leben. Die Gnade und Liebe Gottes erfahren wir allein in Jesus Christus.

 

Besonders aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (1, 17; 3, 22 -28) hat Martin Luther und die von ihm eingeleitete Reformation als übergeordnete Aussagen ihres Bekenntnisses entnommen:

 

Allein aus der Gnade Gottes (sola gratia) ist die Erlösung des Menschen geschehen – ohne eigenen Verdienst,

allein durch Jesus Christus (solus Christus), durch sein am Kreuz vergossenes Blut, werden dem Menschen die Sünden vergeben, Gerechtigkeit und Erlösung geschenkt - nicht durch Fürbitten Marias und der Heiligen,

allein durch den Glauben (sola fide) an Jesus Christus wird der Mensch vor Gott gerecht – nicht durch gute Werke oder Ablass.

Gute Werke der Gottes- und Nächstenliebe folgen aus dem Glauben – sind "Früchte des Glaubens", sind vor Gott aber kein Verdienst und nicht des Ruhmes wert (Röm. 3,23, Lk. 17, 10).

 

Dieser Glaubensartikel über die „Rechtfertigung des Menschen vor Gott“ ist das Herzstück der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche. Im Blick auf die römisch-päpstlichen Gegner schreibt dazu Martin Luther in den Schmalkaldischen Artikeln (II. Teil, Artikel 1): „Von diesem Artikel kann man nicht weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erden oder was nicht bleiben will; denn es „ist kein Name, dadurch wir können selig werden“ spricht St. Petrus. „Und durch seine Wunden sind wir geheilt“.

 

Allein aus der Bibel (sola scriptura) erfährt der Mensch die Wahrheit Gottes und den Weg zum Heil.

In den Schmalkaldischen Artikeln schreibt Martin Luther unter Bezugnahme auf den Brief des Apostels Paulus an die Galater (1, 6-10): „Es heißt, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.“

In der Bibel spricht Gott zu uns auf zweierlei Weise, mit Gesetz und Evangelium. Mit Worten des Gesetzes fordert Gott von uns ein bestimmtes Verhalten, erhebt Anspruch auf Gehorsam und droht im Falle des Ungehorsams zeitliche und ewige Strafe an. Mit Worten des Evangeliums (Verheißungen) spricht Gott von seiner Liebe, Barmherzigkeit und Gnade - zuletzt in und durch seinen Sohn.

 

Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Ti. 2, 4). Es ist nicht Gottes eigentlicher Wille, dass aus dem Ungehorsam gegen sein gutes und gerechtes Gesetz (= Sünde), das Urteil der Strafe und Verdammnis unwiderruflich über den Menschen ergeht. Gott hat keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe (Hes. 33, 11). Deshalb spricht Gott schon im Alten Testament Worte der Verheißung, der Gnade und Vergebung. Das ist das Evangelium, die gute und frohe Botschaft Gottes. In seinem Sohn Jesus Christus erfüllt sich dann das Evangelium in vollkommener Weise. Wer seine Sünde bekennt, bereut und um Vergebung um des Kreuzesopfers Jesu Christi willen bittet, dem sind seine Sünden vergeben und er wird leben in Ewigkeit. So dürfen wir in Gedanken hinter jede göttlich Strafdrohung setzen: Dieses göttliche Strafurteil gilt dir, wenn du deine Sünde nicht bekennst und nicht um Vergebung im Namen Jesu Christi bittest.

 

Weil sich die lutherische Reformation allein auf die Aussagen der Bibel bezieht und gründet, deshalb entsprechen „lutherisch“ und „biblisch“ einander. Die Bibel ist der alleinige Maßstab, Regel und Richtschnur des christlichen Glaubens und Lebens - die „norma normens“. Das lutherische Bekenntnis ist in den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, im Konkordienbuch von 1580, niedergelegt. Es beinhaltet die Feststellung der wichtigsten Glaubenssätze, die unmittelbar aus der Bibel entnommenen oder abgeleitet sind („norma normata“). Deshalb sind alle Feststellungen des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses mit Bibelstellen belegt und wohl begründet .

 

Das evangelisch-lutherische Bekenntnis nimmt für sich nicht in Anspruch, alle Lehren und Aussagen der Heiligen Schrift erfasst zu haben, aber doch die allermeisten und vor allem die für das Heil des Menschen unverzichtbaren und wichtigen.

 

So biblisch wahr, fromm und schlüssig all diese Feststellungen sind, die römisch-päpstliche Seite hat sie nicht akzeptiert. Die reformatorischen evangelisch-lutherischen Glaubensaussagen wurden samt ihrer Anhängerschaft auf dem Konzil von Trient 1545-63 für alle Zeiten bis zum heutigen Tage verdammt. So blieb der reformatorischen Seite nichts anderes, als auf ihren Territorien (Fürstentümern) eigene Kirchen zu konstituieren (Kirchenspaltung).

 

Aber leider auch in den, in Folge des Aufbruchs der lutherischen Reformation entstandenen zwinglisch und calvinisch-reformierten Kirchen und neuen Täufer-Gemeinschaften gab und gibt es Vorbehalte und Widerspruch gegen verschiedene Aussagen des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Und leider verlieren auch in den Landeskirchen, die sich heute noch als "evangelisch-lutherisch" bezeichnen, die biblisch begründeten Aussagen des lutherischen Bekenntnisses immer mehr an Beachtung und Bedeutung.

 

Detlef Löhde

 

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