Falsche Meinungen über Paulus

Die Meinungen über Paulus gehen weit auseinander. Säkulare Kulturhistoriker und Religionswissenschaftler wie auch etliche jüdische Theologen sagen, Paulus sei der eigentliche Begründer des Christentums. Ohne Paulus wären die Jesus-Jünger eine kleine jüdische Sekte geblieben ohne große Zukunftsaussichten. Nur durch seine Sichtweise und neue Interpretation der Jesusbotschaft sowie seine Missionsreisen konnte der christliche Glaube die Völker erreichen und zur Weltreligion werden.

Dass Paulus das Evangelium auf die „Weltbühne“ gebracht und das Evangelium Jesu betont als eine unverdiente Gnade verkündigt und verteidigt hat, ist unbestreitbar. Aber Paulus ist weder Begründer noch Mitbegründer des Christentums. Er hat der Lehre Jesu keine eigene neue Lehre hinzugefügt, sondern hat in apostolischer Vollmacht das Evangelium Jesu in theologisch durchdachter und entfalteter Weise verkündigt. Paulus will nur treuer „Diener und Haushalterdes Evangeliums Christi sein (1. Kor. 4, 1.2) und bekennt (1. Kor. 3, 11): „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Dagegen sagen manche kritisch, dieser Paulus hat die Botschaft Jesu eigenwillig verändert, was nicht im Sinne Jesu gewesen sei. Da werden vermeintliche Gegensätze zwischen den Worten Jesu in den Evangelien und den Paulusbriefen ausgemacht. Deshalb plädieren sie, nur die Botschaft Jesu aus den Evangelien und weitgehend ohne den Paulus zu hören. Den Paulus könne man zwar auch mal anhören, aber unbedingt gebraucht würde er nicht, die Evangelien würden genügen. Paulus habe so Vieles nur entsprechend des damaligen zeitgenössischen Verständnisses ausgeführt und das könne so für heute kein Maßstab mehr sein.

Das hören wir insbesondere über die Worte des Paulus, die dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Zeitgeist entgegenstehen. Es wird in Frage gestellt, ob die Briefe des Paulus für die Verkündigung, Lehre und den Glauben der Kirche noch maßgebliche Autorität in Anspruch nehmen können. Häufig ist der Einwand zu hören, das habe doch „nur“ der Paulus geschrieben und nicht Jesus gesagt. Das bedeutet aber, dass man dem Paulus bestreitet, wahrhaft und autoritativ im Namen Jesu zu sprechen. Dass er nicht die Vollmacht Jesu für sich in Anspruch nehmen könne, die Jesus den Aposteln geben hat (Lk. 10, 16): „Wer euch hört, der hört mich.“

Diese Vollmacht kann dem Paulus eigentlich nur bestritten werden, in dem man die Echtheit seiner Jesusbegegnung vor Damaskus bestreitet. Wer das aber dem Paulus bestreitet, der nimmt ihm die geschichtlich und theologisch einmalige Autorität des Apostels und stuft ihn zu einem antiken, mitunter irrenden und korrekturbedürftigen Kirchenlehrer herab. Seine Briefe hätten dann auch nichts im Neuen Testament zu suchen.

So wie heute der Apostel Paulus von Einigen von Grund auf kritisch betrachtet wird, so hatte es Paulus selbst auch schon von seinen Widersachern erfahren. Die mit den Inhalten seiner Verkündigung nicht einverstanden waren und selbst maßgebende Autorität sein wollten, stellten sein Apostel-sein und damit seine apostolische Autorität in Frage. Deshalb beginnt Paulus seine Briefe wiederholt mit der Selbstvorstellung als „berufener Apostel Jesu Christi“ (Röm. 1, 1; 1. Kor. 1,1; 2.Kor. 1,1; Gal, 1,1 ...).

Seine Widersacher, die sich selbst zu Autoritäten erheben, bezeichnet er ironisch als die „Überapostel“ - „Hyper-Apostel“ (2. Kor. 12, 11). Doch sie sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die sich zu Aposteln Christi verstellen. An die Galater schreibt Paulus: „Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht“ (= aus der Gemeinde ausgeschlossen), Gal. 1, 8.9.

Gegenüber den Korinthern sieht er sich veranlasst, entgegen seiner sonst persönlichen Zurückhaltung, von seinem aufopfernden Dienst, seinen erlittenen Verfolgungen und Leiden, wie auch von seinen persönlichen Offenbarungen des Herrn zu schreiben (2. Kor. 10-12).

 

Detlef Löhde 

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