Beten Christen und Muslime zum selben Gott?

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Auf diese Frage kann nicht mit einem glatten „Ja“ oder “Nein“ geantwortet werden. Natürlich gibt es nur den einen Gott und das bekennen sowohl Juden und Christen, wie auch Muslime. Und da sich der Koran auch auf die jüdische Thora und das christliche Evangelium beruft und bezieht, behaupten Muslime, dass also damit Christen, Juden und Muslime den selben Gott anbeten würden. Von weltlichen Religionswissenschaftlern wird das einhellig bestätigt, da ja der Koran ganz offenbar maßgebliche jüdische und christliche Wurzeln hat.

Erstaunlicher, ja, erschreckender Weise hat sich diese Sicht auch das 2. Vatikanische Konzil der Römisch-katholischen Kirche zu eigen gemacht. Doch erheben sich gegen die islamische und auch religionswissenschaftliche Sicht ganz erhebliche Bedenken. Die Gottesvorstellungen, das „Gottesbild“ von Bibel und Koran, unterscheiden sich zu fundamental, als das problemlos von einem „Glauben an den selben Gott“ gesprochen werden könnte.

 

Gott hat in der Bibel mit dem 1. Gebot verboten, dass wir uns von ihm ein Bild und eine eigene Vorstellung machen1.Es könnte nur falsch, nur ein Götzenbild werden2. Aber Gott hat sich uns in der Geschichte Israels und zuletzt im Sohn3 selbst vorgestellt, uns selbst etwas über sein göttliches Wesen offenbart. Das wahre „Bild“ von Gott erfahren wir also aus der Bibel. Gott hat es uns selbst vermittelt. Das „Bild“, das dagegen der Koran von Gott / Allah darstellt, ist ein unvollständiges, verzerrtes und damit insgesamt falsches, ja, verleumderisches.

 

Allerdings gibt es tatsächlich Aussagen über Gott, die sich sowohl in der Bibel als auch im Koran finden:

  • Gott ist allein der einzige wahre Gott, außer ihm gibt es keine anderen Götter,

  • Gott ist allmächtig und souverän, frei in all seinen Handlungen,

  • Gott hat die Welt und die Menschen geschaffen und regiert sie bis heute,

  • Gott hat den Menschen Lebensregeln (Gebote) gegeben, nach denen sie leben sollen,

  • Gott ist für uns Menschen unerreichbar fern, gleichzeitig aber auch überall gegenwärtig,

  • Gott ist der Herr über Leben und Tod und wird am Jüngsten Tag Gericht über die Menschen halten.

Wegen dieser übereinstimmenden Aussagen von Bibel und Koran wird ja behauptet, dass Muslime und Christen an denselben Gott glauben würden. Sieht man sich nun die oben beschriebenen Aussagen über Gott genau an, so wird man als Christ schon intuitiv irgendwie nicht zufrieden sein. Die Beschreibung sagt nur sehr allgemein und objektiv, abstrakt und unpersönlich etwas über Gott als den Schöpfer, den Herrscher und Richter der Welt. Über Gottes inneres persönliches Wesen ist nichts gesagt. Gerade aber auch über sein persönliches Wesen hat uns Gott in der Bibel, im Gegensatz zum Koran, sehr Maßgebliches gesagt.

 

Gott hat uns nach der Bibel gesagt, dass er die Menschen als sein Abbild / Ebenbild4 geschaffen hat. Zwischen Gott und Mensch müssen also wesensmäßige Ähnlichkeiten bestehen. In der Bibel hat sich Gott uns mit bestimmten persönlichen Eigenschaften bekannt gemacht, hat uns etwas von seinen Gedanken und Beweggründen, seinem Herz und seinen Gemütsbewegungen mitgeteilt. Nur wenn man Jemanden mit seinen Gedanken und Beweggründen, seinem Herz und seinen Gemütsbewegungen etwas kennt, nur dann kann man ein persönliches Verhältnis zu ihm entwickeln. Das gilt eben auch für das Verhältnis des Menschen zu Gott. Und Gott will, dass wir ein persönliches Verhältnis zu ihm haben, dass wir ihm vertrauen und ihn lieben.

 

Nach dem Koran aber hält Allah als souveräne hoch erhabene Majestät den Menschen als seinen „dienenden Sklaven“ auf entsprechendem Abstand. Allah teilt ihm nichts von seinem inneren Wesen mit. Nach dem Koran ist Allah ein emotional unbeteiligter Gott, ohne Herz und Gemüt, automatenhaft, ohne besondere innere Anteilnahme für den Menschen. Deshalb kann der Mensch mit seiner Sünde, abgesehen von einer Ausnahme, Allah auch innerlich weder beleidigen und betrüben, noch erzürnen. Und deshalb bedarf es eben auch keiner Versöhnung und keines Mittlers zwischen Gott und den Menschen, wie es uns Jesus Christus ist.

 

Nach der Bibel ist die Sünde gegen den Mitmenschen immer zugleich auch eine Sünde gegen Gott. Dagegen kann Allah nur eine einzige Sünde beleidigen, weshalb diese Sünde auch unvergebbar ist, nämlich wenn ihm eine weitere göttliche Person „zugesellt“ wird (arab. „Schirk“). Diesen Vorwurf erhebt der Islam gegen die Christen, weil sie Gott als den Vater und den Sohn und den heiligen Geist bekennen. Alle anderen Sünden sind im Islam nur Verfehlungen gegen andere Menschen und lediglich formaler Ungehorsam gegen Allah. Das wird Allah im Jüngsten Gericht emotionslos strafen oder auch einfach darüber hinweg sehen. So wie Allah es gerade will, wie es ihm gerade in den Sinn kommt5. Bei all dem bleibt Allah innerlich unberührt.

 

So unbeteiligt und unpersönlich wie das Verhältnis Allahs zum Menschen ist, so ist umgekehrt auch das Verhältnis des Muslim zu Allah, nämlich knechtisch-ängstlich und unfähig, Liebe zu Allah zu empfinden. Ganz offen sagt der Koran, dass sich der Mensch nur als sklavischer Diener Allah nähern dürfe. Das Gottesbild des Islam ist nicht einladend, sondern furchterregend und abstoßend. Im Islam aufgewachsene Menschen spüren das und sind seelisch umgetrieben, sich ohnmächtig zu unterwerfen oder sich emotional gegen diesen Allah aufzulehnen. Die meisten aber gehen wohl den Weg, sich entgegen dem Koran, eine erträglichere eigene Vorstellungen von Allah zu machen. Deshalb sollen wir den Muslimen von den ganz anderen persönlichen Wesenszügen des wahren Gottes erzählen, wie sie uns die Bibel bezeugt.

 

Im Gegensatz zum Koran hören wir aus der Bibel, dass Gott ein Herz6 hat und über Menschen sowohl zornig werden, als sich auch über Menschen freuen kann, Mitleid mit ihnen haben und sogar Reue über seine Strafe und Strafdrohung haben kann. Dass er sein Herz vom Bitten und Gebet des Menschen erweichen lässt7, dass Gott uns der himmlische Vater sein will und wir seine Kinder sein dürfen. Ja, Gott liebt jeden Menschen, obwohl er unsere Sünden hasst und straft. Gott hat aber keinen Gefallen am Tod und der Verdammnis des Gottlosen, sondern Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Gnade und Wahrheit in seinem Sohn kommen8.

 

In der Heilsgeschichte hat Gott seine Liebe zuerst seinem Volk Israel erwiesen, über das er dann seine Liebe allen Völkern und Menschen in seinem Sohn Jesus Christus zugewandt hat. Gottes Liebe zu den Menschen ist so groß, dass er in seinem Sohn Mensch geworden ist, um uns durch seinen stellvertretenden Kreuzestod von Sünde, Tod und Teufel zu erlösen. Und Gott erweist den Menschen nicht erst seine Liebe nach dem sie ihn lieben, sondern umgekehrt, Gott hat uns zuerst seine Liebe erwiesen und wartet auf unsere antwortende Liebe. Deshalb schreibt Johannes vom Wesen Gottes: „Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott uns seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden (1.Joh. 4,8-10)“.

 

Gott ist die Liebe und die Liebe kann nicht allein sein, sie braucht ein Gegenüber. Deshalb war beim Vater von Ewigkeit her der Sohn. Aus Liebe hat Gott auch die Welt und den Menschen sich zum Gegenüber geschaffen. Und den Menschen hat Gott als sein Ebenbild geschaffen, als ein liebevolles Gegenüber von Mann und Frau.

 

Nach dem Koran ist das alles undenkbar. Allah hat keine Gefühlsregungen, er hat kein Herz, sonst wäre er ja nicht mehr souverän. Ihm ist eine grundlose und emotionale Liebe fremd. Nur dreimal ist im Koran beiläufig die Rede davon, dass Allah auch liebevoll ist9. Allah wendet aber seine Liebe nur denen zu, die ihn zuvor geliebt haben. Die Ungläubigen liebt er nicht10, ganze Gruppen von Sündern werden aufgezählt, die er ausdrücklich nicht liebt, sondern hasst. Allahs Liebe muss man sich verdienen. Aber wie kann man einen solchen Allah lieben? Und wenn Allah nur Muslime, die ihm gehorchen und ihn lieben, zurückhaltend wieder liebt, dann werden sich auch Muslime gegenüber anderen Muslimen so verhalten (vgl. Verhalten der Pharisäer). Das Bild, das ein Mensch von Gott hat, hat immer Auswirkungen auf das Bild, das er von seinem Mitmenschen hat und wird auch sein Verhalten ihm gegenüber bestimmen. Eine Liebe zu allen Menschen, auch zu Sündern und Ungläubigen, oder gar zu Feinden11, liegt außerhalb aller Vorstellungen des Islam. Die Christen werden dafür als weltfremd verlacht, als schwach verachtet oder der Heuchelei bezichtigt.

 

Der wahre Gott der Bibel ist also ganz anders als der Allah des Koran. Gott hat ein Herz und es ist voller grundloser unverdienter Liebe zu den Menschen, selbst wenn sie Sünder sind. Gerade den Sündern ist Jesus besonders nachgegangen, um sie zu sich zu rufen und sie zu retten. Deshalb soll man mit Muslimen über diese Liebe Gottes, die in seinem Sohn ganz nah und menschlich geworden ist, sprechen. Muslime haben vielfach unerhörte Sehnsucht und Nachholbedarf an Worten von einem liebenden Gott. Die Liebe Gottes, die er uns in seiner ganzen Tiefe in seinem Sohn Jesus Christus erwiesen hat, ist das "Markenzeichen" des christlichen Glaubens auch besonders gegenüber dem Islam.

  • Der wahre Gott liebt uns Menschen grundlos, selbstlos und sich im Sohn aufopfernd.

  • Aus Liebe hat uns Gott auch einen Einblick in sein Herz gewährt.

  • Aus Liebe hat Gott seine Souveränität dazu gebraucht, uns unwiderrufliche Zusagen zu geben. Zuletzt hat er uns zum Bund seines Sohnes, des Neuen Testaments – dem Bund der Taufe - eingeladen. Auf die darin enthaltenen Zusagen des Heils, des ewigen Lebens, können und sollen wir uns verlassen. Wir dürfen Gewissheit unseres Heils haben12, dürfen Gott sogar an seine Zusagen erinnern und uns auf sie berufen.

  • Aus Liebe hat Gott für eine Zeit auf seine göttliche Majestät verzichtet und ist in seinem Sohn sterblicher Mensch, ja, Knecht, geworden, um uns zu erlösen.

  • Aus Liebe hat Gott in seinem Sohn, alle Schuld und Sünde auf sich genommen und hat an unserer Statt auch die dafür verwirkte Strafe des Todes auf sich genommen.

  • Aus Liebe hat Gott verheißen, alle Gebete, die wir im Namen seines Sohnes sprechen, väterlich zu erhören.

 

Wir sollten Muslimen entsprechende Bibelworte sagen, z.B.:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh. 3,16)“

 

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe : nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden (1.Joh.4,9.10)“.

 

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren (Röm. 5,8).“

 

Aber Gott , der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden (Eph. 2,4.5)“

 

Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim. 2,4).“

 

Man sollte Muslime fragen, ob sie es denn bestreiten wollen, dass Gott aus seiner Souveränität heraus, auch die Menschen lieben und ihnen auch unwiderrufliche und bedingungslose Zusagen machen kann.

Gegen die Feststellung, dass Allah die Menschen nicht von Herzen liebt, werden überzeugte Muslime einwenden, dass Allah doch der „All-Erbarmer und Barmherzige“ sei. Diese Barmherzigkeit entspringt aber nicht dem Herzen und der Liebe Allahs, sondernist sehr bedingt und ungewiss und muss sich verdient werden 13.

 

Nach der Bibel hat sich Gott zuletzt in seinem Sohn offenbart und mit seinem heiligen Geist mitgeteilt. Christen glauben an den e i n e n Gott, der sich in den drei göttlichen Personen des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes offenbart hat (Trinität). Und der dreieinige Gott hat ein Herz voller Liebe für jeden Menschen und lädt ihn ein zum Glauben an seine Verheißung der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens durch das Kreuz Jesu Christi.

Jesus Christus spricht: „Wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater (Joh. 8, 19). Ich und der Vater sind eins (Joh. 10, 30). Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wer mich sieht, der sieht den Vater (Joh. 14, 6. 9)". Paulus schreibt: „Es ist ein Herr (Christus), ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen (Eph. 4, 5)".

 

Würde man die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben, unreflektiert mit "Ja" beantworten, so wären Muslime und Christen Glaubensgeschwister, die gemeinsam beten könnten und die nur noch über ein paar Einzelfragen des Glaubens zu diskutieren hätten. Beantwortet man die Frage aber mit "Nein", so haben Christen den Auftrag, Muslimen missionarisch zu begegnen - sie zur Erkenntnis des wahren Gottes, zum Glauben an Jesus Christus zu führen. Die Antwort auf die Frage, ob Muslime und Christen an den selben Gott glauben ist also eine maßgebliche "Weichenstellung". Eine Gemeinsamkeit und Vermischung ist weder nach christlichem noch nach islamischen Verständnis möglich, da sie im bewussten Widerspruch zueinander stehen.

 

Wenn nun Christen und Muslime bei ihrem Beten einen solch unterschiedlichen Gott im Sinn haben, dann kann man nicht behaupten, dass sie zum selben Gott beten. Entweder man betet zum wahren dreieinigen Gott oder zu Allah, zu dem vom Koran verfälschten Gottesbild. Da es aber tatsächlich doch nur einen Gott gibt, bleibt letztlich die Frage, wie die muslimischen Gebete zu sehen sind. Ob der einzelne Muslim zum wahren Gott betet, hängt davon ab, aus welcher Herzenshaltung heraus er das tut. Betet ein Muslim aus seiner gebrochenen, aber noch bruchstück- weise vorhandenen natürliche Gotteserkenntnis, die jeder Mensch und eben auch ein Nicht-Christ noch hat (Röm. 1, 19f), dann spricht er damit zu dem einen wahren Gott, seinem Schöpfer und Richter. Da dieses Gebet jedoch nicht im Namen Jesu Christi erfolgt, hat es nicht die gewisse Verheißung der Erhörung und der Gnade (Mt. 7, 7-11; Joh. 16, 23-28). Betet dagegen ein Muslim ganz bewusst zu "Allah", wie ihn der Koran bezeugt - und dafür sind die fünf dem Wortlaut nach vorgeschriebenen Tagesgebete ganz typisch - dann ist dies eine Anbetung des antichristlichen Geistes, der sich im Koran bzw. Islam manifestiert hat. Ein Gebet zu diesem Geist ist ein Gebet gegen den dreieinigen Gott. Nach dem Zeugnis der Bibel spricht Gott über den antichristlichen Geist, den Widersacher und seine Anhänger das Verdammnisurteil (vgl. Mt. 25, 41; Offb. 20, 10f.).

 

Da sich bei den meisten Gebeten der Muslime die beiden Beweggründe "verbliebene natürliche Gotteserkenntnis" und "Zeugnis des Korans" vermischen werden und nur Gott in das Herz des Beters schauen kann, können wir nichts darüber sagen, wer nun der wahre Adressat des Gebets gewesen ist. Wie Gott auf solchen Betenden reagiert bleibt allein ihm anheim gestellt.

 

Ein gemeinsames Beten von Christen und überzeugten Muslimen kommt in keinem Fall in Betracht. Als Christen beten wir zwar auch zu Gott, als unserem Schöpfer und Richter, vor allem aber im Namen seines Sohnes zu ihm als unseren himmlischen Vater. Muslime werden solch ein Gebet strikt ablehnen. Christen können aber keine Abstriche machen, sonst würden sie ihren Herrn und Erlöser verleugnen und sie können sich auch nicht in eine Gebetsgemeinschaft begeben, in welcher der antichristliche Geist des Korans angebetet wird.

 

 

Kann das arabische „Allah“ mit „Gott“ übersetzt werden?

 

Um der falschen Gleichsetzung Allahs, wie ihn der Koran verkündet, mit dem dreieinigen Gott, den die Bibel bezeugt, zu wehren, wird von evangelikaler Seite oftmals behauptet, dass dieser Allah ein ganz anderer Gott, ja ein heidnischer Götze wäre. Schon in vorislamischer Zeit hätten Araber eine heidnische Gottheit namens Allah verehrt (Mondgöttin „Al-Lat“ in Mekka?). Dass in den Bibeln der arabischen Christen „Gott“ ins arabische mit „Allah“ übersetzt ist, halten sie für einen gewaltigen Fehlgriff, der korrigiert werden sollte. Kein arabischer Christ sollte vom wahren Gott als von Allah sprechen. Und umgekehrt verlangen Muslime in Indonesien unter massiven Drohungen und Gerichtsprozessen, dass die Christen es zu unterlassen hätten, ihren Gott als Allah zu bezeichnen. Die dahinterstehende Frage ist, ob das arabische „Allah“, eigentlich „Al-ilah“ (= der Gott), nur ganz allgemein Gott bezeichnet, oder ob „Allah“ der Eigenname des Gottes der Muslime ist. In gewisser Weise trifft beides zu! Ein Muslim wird hinzufügen, dass Allah noch weitere 99 schöne Namen hat, die aus den im Koran beschriebenen Eigenschaften Allahs hergeleitet sind.

 

Arabisch und Hebräisch gehören zur selben semitischen Sprachfamilie und das arabische „Allah“ hat seine Entsprechung im hebräischen „Eloah“. Das bedeutet wohl so viel wie „Mächtiger, Machtvoller“. Das Alte Testament beginnt mit den Worten „Am Anfang schuf „Elohim“ Himmel und Erde. „Elohim“ ist die Mehrzahl von „Eloah“. Dennoch wird Elohim nicht mit der Mehrzahl „Götter“, sondern zurecht mit der Einzahl „Gott“ übersetzt, denn das nachfolgende Verb „schuf“ steht in der Einzahl. Und auch in den folgenden Mosebüchern lesen wir immer wieder von „Elohim“ oder der Kurzform „El“ als von Gott, der sich dann später Mose unter dem Namen „Jahwe“ offenbart hat. Die Kirchenväter haben darin, dass für Gott die Mehrzahlform „Elohim“ gebraucht ist, er aber immer nur als der Eine spricht und handelt, zurecht einen Hinweis auf die Dreieinigkeit (Trinität) gesehen.

 

Es erscheint auch nicht sachgerecht zu behaupten, das arabische „Allah“ dürfe nicht allgemein mit „Gott“ übersetzt werden, weil es ein vorislamischer heidnischer Götzenname gewesen ist, der nun in Fortsetzung von Muslimen weiter verehrt werde. Würde man so weit auf den sprachlichen Ursprung des arabischen „Allah“ zurückgehen, dann müsste man das auch beim hebräischen „Elohim“. Da stellen wir fest, dass im Alten Testament nicht nur der wahre Gott mit „El“, der Kurzform von Elohim bzw. Eloah, bezeichnet wird, sondern dass auch lokale heidnische Götter Kanaans als El bezeichnet und einer auch unter dem Eigennamen El verehrt wurde. Damit aber jede Verwechslung und Gleichsetzung ausgeschlossen ist, spricht der wahre Gott im Alten Testament häufig mit einem identifizierenden Zusatz z.B. „ich bin der Gott Abrahams“ oder „ich bin Jahwe, dein Gott, der ich dich aus Ägypten geführt habe“.

 

Auch unsere, in den verschiedenen Sprachen vertrauten christlichen Worte für Gott sind nicht von vornherein abstrakt gewesen, sondern können auch auf eine heidnische Herkunft zurückgeführt werden. Das neutestamentliche für Gott stehende griechische „Theos“ leitet sich sprachlich vom griechischen Hauptgott „Zeus“ (vgl. lat. „deus“) her, was mit „Himmelsvater“ übersetzt werden kann. Das deutsche Wort „Gott“ (vgl. engl. God), ist vom germanischen „Guda“ hergeleitet, was bedeutet „der, der angerufen oder dem geopfert wird“ und bezog sich auf germanische Gottheiten.

 

Bei erstmaligen Bibelübersetzungen auf dem Missionsfeld muss bis heute zunächst eine aus der fremden Sprache und Kultur angemessene ggf. vertraute Bezeichnung für „Gott“ gesucht werden. Dabei sind sprachliche Berührungen mit den vorhergehenden heidnischen Kulten nicht zu vermeiden. Im Zuge der Mission, Evangelisation und Katechese ist dann die gefundene Gottesbezeichnung christlich zu verwenden und zu füllen.

 

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass es keine ursprünglich abstrakte neutrale Bezeichnung für Gott gibt, sondern diese regelmäßig einen vorhergehenden heidnisch-religiösen Hintergrund hat. Deshalb kann man dieses nicht nur speziell dem Islam vorhalten. Andererseits ist die Bezeichnung „Gott“ nicht völlig abstrakt, sondern wird mit dem jeweiligen Gottesbild verbunden. Ein Europäer, der von Gott spricht, verbindet damit mehr oder weniger eine christlich geprägte Gottesvorstellung. Benutzt dagegen ein Muslim in einer europäischen Sprache den Begriff „Gott“, so verbindet er damit seine vom Islam geprägte Vorstellung von Allah. Obwohl also beide den gleichen sprachlichen Begriff „Gott“ verwenden, verbinden sie damit sehr unterschiedliche Vorstellungen. Deshalb sollte man im Gegenüber zum Islam nicht nur allgemein von Gott sprechen, sondern zur klaren Unterscheidung, nach dem Vorbild des Alten Testaments, von Gott mit einem unverwechselbaren christlichen Identifikationsmerkmal, z.B. von Gott, der sich uns in der Bibel offenbart hat, vom dreieinigen Gott oder von Gott, dem Vater Jesu Christi und umgekehrt entsprechend von „Allah, dem Gott des Koran, dessen Prophet Mohammed ist“.

 

 

Religionswissenschaftliche Sicht der christlichen Kritik am Islam

 

Der namhafte Religionswissenschaftler Helmuth von Glasenapp schreibt unter der Überschrift „Die fünf Weltreligionen im Lichte wechselseitiger Kritik“14 über die christliche Sicht des Islam:

 

„Die objektive christliche Kritik15 lässt am Islam wenig Gutes. Sie findet, dass seine Gottesverehrung höchst unvollkommen sei, weil Gott als die personifizierte Willkür auftrete und durch keinen Mittler mit der Menschheit verbunden sei. Das Entgegenkommen des Propheten gegen die arabische Raubgier und die Sinn- lichkeit, die enge Verbindung zwischen irdischen und religiösen Gesichtspunkten, die im Koran wie in der ganzen Entwicklung des Islam immer wieder zutage tritt, die Geringachtung der Frau und viele andere Dinge erscheinen dem geläuterten sittlichen Empfinden als Unzulänglichkeit, von dem sich der Islam leider nicht zu befreien vermocht hat.“

 

Detlef Löhde

 

 

Fußnoten

1  2. Mose 20, 4

 

2  2. Mose 32;
        Röm. 1,23                                                                                      Das islamische ganz allgemeine Verbot, Geschöpfe abzubilden, kommt nicht aus dem Koran, sondern aus den Hadithe der Sunna. Wer danach Geschöpfe abbildet, würde schöpferisch tätig, dies sei jedoch allein Allah vorbehalten.
 

2. Kor. 4, 4

4 1. Mose 1, 27; Röm. 8, 29; 1. Kor. 11, 7

5 Suren 2, 285; 3,129

 

6 1. Mose 6,6; 5. Mose 2,7; Jes. 5,7; Jer. 3,15; 6,8; 15,1; 44,21

7 1. Mose 18;16ff.; 2. Mose 32,7ff.

8 Hes. 18, 23; 1.Tim.2, 4

9 Suren 11,90; 19,96; 85,14

 

10 Sure 3,32

 

11 Mt. 5, 43-48

12 Das ev.-luth. Bekenntnis lehrt, dass jeder Christ die Gewissheit seines Heils haben kann.

13 Artikel „Mohammed verkündet die Barmherzigkeit Allahs“

 

14 Helmuth von Glasenapp, „Die fünf Weltreligionen“, S. 438, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1993

 

15 Objektive christliche Kritik im Gegensatz zur geschichtlichen christlichen Polemik

 

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