Religionen und christlicher Glaube

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Die Verehrung einer göttlichen Macht und die Aufforderung, das Gute zu tun und das Böse zu lassen, finden sich in jeder Religion. Entsprechend weist auch jede Religion einen ethischen Verhaltenskatalog, vergleichbar den 10 Geboten, auf. Die maßgebliche Unterscheidung der Religionen liegt in ihren jeweiligen Aussagen darüber, wer und wie Gott ist, wie der Mensch und seine gottgewollte Bestimmung ist und auf welche Weise er zum Heil – zu Gott – gelangen kann. Mit anderen Worten, eine Religion bestimmt sich danach, welches Gottesbild, welches Menschenbild und was für einen Heilsweg sie für den Menschen verkündet.

Die Einzigartigkeit des christlichen Glaubens gegenüber allen anderen Religionen besteht nach dem Zeugnis der Bibel in der Person und dem Kreuzesopfer Jesu Christi, und dass sich Gott als der Dreieinige, als der Vater, der Sohn und der Heiliger Geist, offenbart hat. Der kritischen Behauptung, dass Jesus selbst dieses alles so nicht gelehrt habe, sondern dass es erst von der frühen katholischen Amtskirche als Dogma entwickelt worden wäre, wird unter Hinweis auf das Zeugnis des Neuen Testaments nachdrücklich widersprochen.

Im Einzelnen wird auf die Seite Bekenntnis des Glaubens verwiesen.


Das Wissen und Ahnen von Gott – die natürliche Gotteserkenntnis

Die Gemeinsamkeiten der Religionen, nämlich das Wissen um die Existenz Gottes, um Gut und Böse und um die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott sowie seiner Abhängigkeit von ihm, sind dem Menschen angeboren und damit Wesensbestandteil des Menschen. Der Mensch verweist mit seiner Existenz als „Bild Gottes“ auf Gott als seinen Schöpfer, ohne den er weder sinnvoll existieren noch in seiner wahren Würde verstanden werden kann. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen besteht in seiner wesenhaften und bleibenden Bezogenheit auf Gott als den Grund und die Gestalt seines Seins. Diese Bezogenheit findet ihren Ausdruck in der dem Menschen angeborenen Sinn- und Gottessuche („natürliche Gotteserkenntnis“) und seinem Gewissen. Sich seiner Bezogenheit auf Gott und seiner Verantwortung vor Gott bewusst zu sein, das macht den eigentlichen Menschen aus.

Nachweislich gab es keine Epoche, in der die Menschen oder ein Volk dauerhaft ohne jede Religion oder Religionsersatz (Philosophien, Ideologien) waren. Mit der Tatsache, dass es keine religionslosen Zeiten und Völker gab, setzen sich seit Ende des 19. Jahrhunderts die weltlichen Religionswissenschaften auseinander. Von ihrem Ansatz her sind sie bewusst religionskritisch, vertreten einen nahezu absoluten Relativismus und münden folgerichtig vielfach im Atheismus.

Von der biologischen Evolutionstheorie des Charles Darwin wurde die falsche Theorie einer „Evolution der Religionen“ abgeleitet. Sie besagt: Die primitiven Urmenschen seien von Ängsten vor den Naturgewalten, vor Krankheiten und gefährlichen Tieren und von dem Staunen über die Jahreszeiten, über Sonne, Mond und Sterne, beherrscht gewesen. Aus ihrem naturwissenschaftlichen Unwissen haben sie die „Idee“ von Göttern und schließlich von nur einem Gott hervorgebracht. Hinter allem ihnen Unerklärlichen haben sie einen machtvollen und meistens auch unheimlichen Geist oder Gott (Polytheismus – Vielgötterglaube) vermutet. Mit zunehmender Naturerkenntnis und Kultur verehrten sie dann nur noch einen Gott, der über ihren Stamm oder ihr Volk oder über ein bestimmtes Land die Herrschaft hätte. Im weiteren Verlauf der Geschichte wäre die Überzeugung entstanden, dass es für alle Menschen und Völker nur einen Gott gäbe (Monotheismus – Eingottglaube).

 

 

 

Der Hypothese von der Evolution der Religionen folgt die weitere, dass entsprechend des ständig fortschreitenden religiös-kulturellen Entwicklungsprozesses es auch keine bleibenden Glaubenswahrheiten geben könne, sondern nur stetig sich verändernde und damit nur zeitgebundene relative Glaubensüberzeugungen. Die Atheisten lösen die dann noch verbliebenen Glaubensüberzeugungen in entwicklungs-bedingte biologische, neurologische und soziologisch-psychologische Phänomene auf. Das gilt auch für die seit einigen Jahren vom angel-sächsischen Sprachraum ausgehende Welle eines aggressiven „neuen Atheismus“, vorangetrieben durch Publikationen wie von Richard Dawkins („Der Gotteswahn“), Christopher Hitchens („Der Herr ist kein Hirte - Wie die Religion die Welt vergiftet“), Sam Harris („Das Ende des Glaubens: Religion, Terror und das Licht der Vernunft“), Daniel Dennett („Den Bann brechen: Religion als natürliches Phänomen“), Michel Onfray („Wir brauchen keinen Gott – Warum man jetzt Atheist sein muss“) u.a.

Den weit verbreiteten Hypothesen von der religiösen Entwicklung und deren stetigen Weiterentwicklung wird widersprochen. Nach dem Zeugnis der Bibel ist das Gegenteil richtig. Am Anfang war der Glaube an den e i n e n Gott, der alles geschaffen hat. Doch aufgrund des Sündenfalls degenerierte im Laufe der Menschheitsgeschichte der Glaube an den „einen wahren Gott“ mehr und mehr und es kam zum Vielgötter- und Geisterglauben. Um den Menschen aber wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung und in seine Gemeinschaft zurück zu führen, offenbarte sich Gott in der Geschichte den Menschen mehr und mehr und zeigte ihm so sein wahres Wesen und seinen Willen, nämlich dass er die Menschen zum Heil zu führen will.

Der römisch-katholische Prof. Wilhelm Schmidt / Wien hat die außerchristlichen Religionen auf religionswissenschaftliche Weise untersucht und kommt in seinem 12-bändigen Lebenswerk „Ursprung der Gottesidee“, Münster 1912 – 1955, komprimiert zu folgenden Feststellungen:

  • Es gab kein Volk in der Geschichte ohne jede Religion und in jeder Religion gab oder gibt es eine Urüberlieferung von einem „allmächtigen Gott“ - einem „Hochgott“.

  • Auch die so genannten „primitiven Urmenschen“ konnten durchaus Gottes Offenbarungen empfangen und auch überliefern.

  • In sehr vielen heidnischen Religionen existiert noch eine verschüttete Urüberlieferung von der Schöpfung, einem Sündenfall, einer großen Flut, einem Warten auf eine Heilszeit und einen Heilsbringer - einen Erlöser.

  • Mit dem Fortgang der Geschichte wird der „Eingottglaube“ (Monotheismus) mehr und mehr vom „Vielgötter- und Geisterglauben“ (Polytheismus) und Magie überlagert. So ist in den außerchristlichen Religionen die monotheistische Zeit immer die älteste und die polytheistische immer die jüngere. Die Geschichte der heidnischen Religionen ist somit die Geschichte der Degeneration der Offenbarungswahrheit Gottes.

 

Die seit der Aufklärungszeit entstandenen und neu entstehenden Weltanschauungen und Ideologien wollen zwar jede Religion rational wegerklären, sind dabei aber selbst lediglich neue verweltlichte Religion. Die Ideologien (Kommunismus, Nationalsozialismus u.a.), die sich bewusst innerweltlich verstehen, haben (pseudo-) religiösen Charakter. Das wird daran erkennbar, dass sie sich nicht nur mit der äußeren Herrschaft über die Menschen begnügen, sondern zusätzlich nach der Herrschaft über die Herzen und Seelen streben. Dazu haben sie einen eignen äußeren Kult installiert, mit dem sie die Menschen emotional in den Bann ziehen und ihnen Lebenssinn und -ziel vermitteln wollen.

 

Das stellt sich als Personenkult um eine politische „Erlösergestalt“ wie z.B. Napoleon, Hitler, Stalin, Mao dar, in Großveranstaltungen, gestaltet nach dem Vorbild von Gottesdiensten, in der Demonstration gewaltiger Macht durch Zurschaustellen von Waffen, Fahnen, Paraden und Aufmärschen. Da werden überhöhte idealistische Gemeinschaftswerte, das Fordern persönlicher Opfer und die eigne Auserwähltheit und auf der anderen Seite Feindbilder in einem pseudoreligiösen Vokabular proklamiert.

 

Wie das äußere Leben, so sollen auch das Denken und Fühlen der Menschen uniformiert werden. Ideologien wollen also anstelle der religiösen innerlichen, vor allem jenseits gerichteten Heilserwartung, eine ausschließlich äußerliche diesseits gerichtete setzen. Aber nicht selten bricht auch bei ihren Anhängern in persönlichen Krisensituationen, z. B. in Erwartung des Todes, eine Hoffnung oder ein Verlangen nach einem jenseitigen Weiterleben auf. Wie absurd klingt der fragend ironische Satz eines sterbenden Kommunisten, dass er nun wohl bald bei Marx, Engels und Lenin sein werde. Und die Hinterbliebenen versichern, dass der Verstorbene in ihrem Gedächtnis immer bei ihnen sein und so ewig weiterleben werde. Ideologien und allumfassende Weltanschauungen sind deshalb billige „Religion der diesseitigen Welt“. Luther sagt einmal in seiner volkstümlichen Weise, dass der Teufel der Affe Gottes sei, der Gott eben immer wieder nachäffen will. Und so äffen auch die Ideologien die Religion nach, um sich an ihre Stelle zu setzen.

Im Laufe seines Lebens bemerkt ein jeder Mensch, dass die Welt und das Leben nicht so sind, wie er es sich wünscht. Da gibt es Ärger, Sorgen, Schicksalsschläge, Gram, Krankheit, Leid und Tod. Und die Mitmenschen sind auch nicht so, wie sie eigentlich sein sollten. Deshalb gibt es so viel Lieblosigkeit, Gemeinheit, Ungerechtigkeit, Verbrechen, Kriege und Not. Und wenn man selbstkritisch ist, muss man feststellen, dass man selbst auch nicht so ist, wie man eigentlich sein sollte. Und weil die Welt und die Menschen in diesem Zustand sind, deshalb wird in jedem Menschen von Zeit zu Zeit immer wieder die Sehnsucht nach einem Ende allen Übels und nach dem Beginn einer neuen guten Zeit wach. Diese Sehnsucht nach einem „goldenen Zeitalter“, nach wahrhaft paradiesischen Zuständen, finden wir in allen Völkern und Religionen und auch noch in unserer modernen Zeit - wenn vielleicht auch tief verborgen in einem jeden Einzelnen. Der Mensch wartet - bewusst oder unbewusst - auf ein echtes Heilwerden der Welt und seines Lebens, obwohl er doch weiß, dass er unausweichlich dem Tod entgegen geht. Worauf aber soll und kann er denn nun eigentlich noch warten und hoffen? Der Mensch weiß oder erahnt die Antwort: Mitmenschen können seine Sehnsucht nicht erfüllen, allein auf Gott kann er hoffen.

Von Jesus hat fast jeder Mensch auf der Welt schon einmal irgendwie gehört, ebenso wie jeder das Kreuz als Zeichen der Kirche kennt, dazu muss man nicht einmal Christ sein. Die Muslime beziehen sich auf Jesus als einen ihrer Propheten, die Juden als auf einen, der ihren Glauben verändern und verfälschen wollte. Gebildeten Hindus und Buddhisten ist Jesus als ein besonders religiöser und ethisch vorbildlicher Mensch bekannt. Jeder halbwegs Gebildete auf der Welt weiß, dass sich der christliche Glaube auf diesen gekreuzigten Jesus bezieht und gründet. Über seinem Kreuz ließ der römische Statthalter Pontius Pilatus auf einem Schild den Grund des Todesurteils schreiben: „Jesus von Nazareth, König der Juden“.

 

Die meisten Nicht-Christen sind wohl der Ansicht, dass Jesus ein ethisch hoch stehender religiöser Lehrer gewesen sei, der aber scheiterte und tragisch endete. Der eigentliche Inhalt der Botschaft Jesu Christi und seiner Kirche ist aber im öffentlichen Bewusstsein in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr geschwunden.

 

Das „Christentum“ wird lediglich als eine der zahlreichen Religionen verstanden. Die Sicht der weltlichen Religionswissenschaften, wonach die verschiedenen Religionen nur unterschiedliche zeitgeschichtliche und kulturelle Ausprägungen der Gottesverehrung und allgemeinen Moral seien, ist weithin Allgemeingut geworden. Wer das vertritt, für den ist es mehr Zufall und eigentlich gleichgültig - auch im Sinne von „gleichermaßen gültig“ - zu welcher Religion sich der Einzelne bekennt. Da liegt die Frage nahe, was das Besondere und Einmalige am christlichen Glauben ausmacht.- Die Menschwerdung gottes in seinem Sohn Jesus Christus, die Vergebung der Sünden und Verheißung des ewigen Lebens durch den Glauben an das Kreuzesopfer Jesu Christi.

- Auf den Themenbalken "Glaubensbekenntnis" wird verwiesen.


Zusammenfassung

Mit seinem Existenz- und Todesbewusstsein ist dem Menschen zugleich auch Religiosität (Bewusstsein von Gott) angeboren. Tief im Menschen verwurzelt ist das Empfinden, dass eine göttliche Macht über ihm waltet, der er verantwortlich ist, und dass mit seinem Tod nicht alles aus ist. Religionskritiker haben resignierend gesagt, dass der Mensch „unheilbar religiös sei“. Jeder Mensch weiß, zumindest ahnt er, dass es einen Gott gibt, der Macht über ihn hat, und der ihm auch das Wissen um „gut“ und „böse“ ins Herz gegeben hat, nämlich das Gewissen. Nun kann der Mensch zwar sein Gewissen ein stückweit verbiegen, manipulieren oder verdrängen, aber ein mahnender Rest wird bleiben. Und damit bleibt immer eine ängstliche Ahnung von seiner Verantwortlichkeit, dass er nämlich einmal vor Gott Rechenschaft über sein Leben und seine Taten ablegen muss. Und da kann niemand ein reines Gewissen haben, weil kein Mensch von seinem Wesen her ohne Sünde ist. Besonders in lebensbedrohlichen Situationen und im Angesicht des Todes ist der Mensch unausweichlich mit Gott konfrontiert.

Ausweg, Rettung und Trost erlangt der Mensch, wenn er vor Gott seine sündhafte Art und seine Einzelsünden bekennt und dem versöhnenden Kreuzesopfer Jesu Christi glaubt, dann ist ihm Gottes Gnade, Vergebung und ewiges Leben gewiss.

 

Detlef Löhde

 

Literaturhinweis: "Die Weltreligionen und das Christentum", D. Martin Schlunk, Frankfurt/Main, 1953

 

Lesehinweis:

"Kennen die Religionen den wahren Gott?

- Das Christuszeugnis in der interreligiösen Begegnung -"

von Prof. Dr. Peter Beyerhaus, 2001

aufzurufen bei  www.ikbg.net/pdf/vortr3.pdf

 

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Weiterer Literaturhinweis:

"Die Religionen und der christliche Glaube", Lüder Wilkens

als Gratis-Ebook oder Print-Exemplar vom sola-gratia-verlag