Wer gehört zum Volk Gottes?

- Uralter Ölbaum im Garten Gethsemane -

Wer gehört zum Volk Gottes?

Vom alten Israel zum Volk des neuen Bundes

– der Kirche Jesu Christi

 

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Gottes Verheißungen an Abraham, Isaak, Jakob, Juda und David

 

Nach dem Sündenfall und der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies wendet sich Gott den Menschen wieder gnädig zu. Gott beugt sich zu ihnen herab und beginnt mit ihnen eine Geschichte, die sie zum Heil führen soll (Heilsgeschichte).

 

Gott ruft den Abraham aus seinem Volk heraus und gibt ihm die Verheißung, ihm ein neues Land zu geben und ihn zum Stammvater eines Volkes zu machen. Durch dieses Volk, durch einen seiner Nachkommen, sollen einmal alle Völker gesegnet werden (1. Mose 13, 15.16; 22, 17.18). Abraham glaubt, vertraut und gehorcht dem sich ihm offenbarenden Gott und zieht mit den Seinen ins verheißene Land Kanaan. Gott versuchte Gott den Abraham, in dem er von ihm das Opfer seines einzigen Sohnes Isaak verlangte (Ein prophetisches Abbild auf das kommende Opfer des Sohnes Gottes). Abraham wollte dem Verlangen Gottes nachkommen, aber Gott sandte als Opferersatz einen Widder. Wegen seiner Gottergebenheit und seines Gottvertrauens wird Abraham der „Vater des Glaubens“ genannt. Gegenüber seinem Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob, dem Gott später den Namen Israel gibt, wiederholt Gott seine Verheißungen.

 

In einer kriminellen Familientragödie verkauften Jakobs 11 Söhne ihren Bruder Josef als Sklaven nach Ägypten. Aufgrund einer Hungersnot sind später auch die 11 Brüder und der Vater Jakob gezwungen, von Kanaan nach Ägypten auszuwandern und treffen dort Josef als mächtigsten Mann des Pharao von Ägypten wieder. Mit seinem Segen gibt Jakob Gottes Verheißungen an seinen Sohn Juda weiter (1. Mose 49, 8-10). In Ägypten wachsen die Nachkommen Jakobs / Israels zu einem Volk heran. Doch das Volk wird von den Ägyptern versklavt. Gott aber führt es durch Mose aus der Gefangenschaft durch die Wüste ins verheißene Land Kanaan. Am Berg Sinai schließt Gott mit dem Volk einen Bund und gibt ihnen seine Gesetze. So hat Gott sich Israel zu seinem auserwählten Volk berufen.

 

Später hat Gott David, dem König von Israel aus dem Stamm Juda, die Verheißung gegeben: „Aber dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll ewiglich bestehen“ (2. Sam. 7, 16). Und wiederum später spricht Gott durch den Propheten Jeremia (Jer. 31, 31; 33, 15): „Siehe es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und dem Hause Juda einen neuen Bund schließen“ und „In jenen Tagen und u jener Zeit will ich dem David einen gerechten Spross aufgehen lassen; der soll Recht und Gerechtigkeit schaffen im Lande“.

 

Die Erfüllung der Verheißungen in Jesus Christus

 

Gottes Linie der Verheißung, des Segens, der Erlösung und des Heils nimmt den Anfang bei Abraham und verläuft über dessen Nachkommen Isaak, Jakob (= Israel), Juda und König David bis sich alles in Jesus erfüllt. Er ist der verheißene Spross, Nachkomme und Sohn Davids. Das bezeugen die Geschlechtsregister des Matthäus, Kap. 1, 1- 6 und des Lukas, Kap. 3, 23-38. Jesus stiftet den neuen Bund, wie er bei der Einsetzung des Abendmahls spricht (Lk. 22, 20; Mt. 26, 28): „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ Und der Auferstandene sendet seine Apostel aus, dass sie Menschen aus allen Völkern durch sein Wort und seine Taufe zu seinen Jüngern machen (Mt. 28, 19.20). Das meinte Jesus als er schon vorher sprach (Joh. 4, 22): „Das Heil kommt von den Juden.“ In dieser Weise erfüllte sich Gottes Verheißung an Abraham (1. Mose12, 3): „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Paulus schreibt (2. Kor. 1, 20): „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm (Jesus Christus) das Ja.“

 

Gott ist treu und er erfüllt all seine Verheißungen, aber sehr oft in ganz anderer Weise, als es die Menschen erwartet hatten. So wird aus den Geschlechtsregistern Jesu u.a. deutlich (Mt. 1, 1-6; Lk. 3, 23-38), dass Gott sich hinsichtlich seiner Verheißungen und der Heilslinie nicht durchgängig an die biologische Abstammung von Abraham und David gebunden hat. Da finden wir bei den Voreltern Jesu die kanaanäische Hure Rahab und die Moabiterin Rut. Durch ihren Glauben sind sie in das Volk Gottes und seine Verheißungen eingetreten (Rut 1, 16; Hebr. 11, 31). Am Ende des Geschlechts David steht dann Josef, der Adoptiv- und Ziehvater Jesu. Jesus stammt also per Adoption rechtlich von David her und nicht von seiner biologischen Abstammung. Dass eventuell auch Maria von David abstammte und damit biologisch auch Jesus, dafür gibt es keinen tragfähigen Schriftgrund. Der Versuch, dafür den Stammbaum des Lukas als Marias Stammbaum zu verstehen, überzeugt nicht. Marias Verwandtschaft mit Elisabeth (Lk. 1, 5.36) lässt eher schließen, dass Maria nicht von Juda und David abstammte, sondern priesterlicher Herkunft aus dem Stamm Levi bzw. Aaron war.

 

Mit seiner Rede an seine Blutrichter macht Stephanus nochmal die ganze Heilsgeschichte deutlich (Apg. 7, 1-53). Im Hebräerbrief, Kap 11, lesen wir, dass sich die Heilslinie Gottes vom Glauben und nicht von der Abstammung her bestimmt. Und Jesus Christus ist der Mittler des durch die Propheten verheißenen neuen Bundes des Glaubens an ihn (Hebr. 8, 8-13; 9, 15). Die Heilslinie Gottes verläuft von Abraham über Isaak, Jakob, Juda, David und kommt in Jesus zur Erfüllung. Sie verläuft nicht von David über die Theologie der Pharisäer und Schriftgelehrten, vorbei an Jesus, zu den Rabbinen des nachchristlichen Judentums.

 

Für das fleischliche Israel, das damals wie heute, nicht an die Erfüllung der göttlichen Verheißungen in Jesus Christus glaubt, gibt es keinen anderen zusätzlichen Heilsweg von der Abstammung her. Die alttestamentlichen Verheißungen erfüllen sich an und in Jesus Christus und nicht an ihm vorbei! Der Glaube an Jesus als an den Gottessohn und Christus, als den Heiland und Retter für alle Völker, vermittelt die Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Der Apostel Paulus macht das wahre Jude-sein von der Beschneidung des Herzens abhängig (Röm. 2,28.29, vgl. Offb. 2, 9): „Nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, sondern der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht.“ Es ist die Beschneidung, die in der Taufe durch Christus empfangen wird (Kol. 2, 11.12).

 

Die Empfänger der Taufe Jesu Christi, das ist das Volk Gottes des neuen Bundes – die Gemeinde Jesu Christi – sie ist Erbe aller göttlichen Verheißungen und auserwählt zum Heil und ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit.

 

Vom Volk des neuen Bundes – der Kirche Jesu Christi

 

Als Johannes dem Täufer die Juden zur Buße rief, da sprach er (Mt. 3, 9.10): „Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ Johannes meint, eure Abstammung von Abraham entbindet euch nicht davon, auf Gottes Ruf zur Buße zu hören. Gott ist auf euch nicht angewiesen. Ja, er kann sich aus Steinen andere Kinder berufen und Gott hat schon zum Gericht über euch angesetzt. Johannes rief die Juden zur Buße, damit sie den kommenden Christus erkennen und ihm glauben und nachfolgen.

 

Jesus wusste sich zuerst als der Christus zu seinem Volk der Juden gesandt. Erst nach seiner Auferstehung gibt er seinen Jüngern den Auftrag, das Evangelium auch den Heidenvölkern zu predigen und sie durch sein Wort und seine Taufe zu seinen Jüngern zu machen. Aber schon vorher gibt Jesus seinen Jüngern zu verstehen, dass auch die Heidenvölker durch ihn am Heil teilhaben werden.

 

Auf demütige vertrauensvolle Bitte eines römischen Hauptmanns heilt Jesus dessen Knecht und spricht (Mt. 8, 10.11): „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“

 

Die Juden sprachen zu Jesus (Joh. 8, 39-44): „Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, wie ich sie von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun.“

 

Mit seinem Gleichnis von den bösen Weingärtnern spricht Jesus zu den Hohepriestern und Pharisäern (Mt. 20, 43): „Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.“ Bei anderer Gelegenheit spricht Jesus (Joh. 10, 16): „Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall (aus Israel), auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“

 

Von der ewigen Auserwählung Israels

 

Den Apostel Paulus, der den Heidenvölkern das Evangelium gebracht hat, aber selbst ein Jude war, den treibt es um, dass das jüdische Volk Jesus Christus ablehnt. Für sein Volk würde Paulus seine Seligkeit hingeben (Röm. 9, 1-3). Er stellt sich die Frage, ob denn mit der Ablehnung Jesu nun Gottes Verheißungen an die Nachkommen Abrahams und an Israel hinfällig geworden sind, und ob Gott sein Volk verstoßen hat (Röm. 11, 1-5). Paulus gibt zur Antwort: Nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen, wie auch nicht alle Nachkommen Abrahams seine Kinder sind, sondern nur die, die in der Linie der Verheißung stehen (Röm. 9, 6 ff.). Die Verheißung aber erfüllt sich in Jesus Christus, er ist der verheißene Nachkomme Abrahams, durch den alle Völker gesegnet werden, er ist der Davidssohn - der Christus. Die Evangelien, besonders das des Matthäus, bezeugen im Blick auf Jesus immer wieder, dass in ihm „die Schrift erfüllt werde“. Doch nur Wenige aus dem fleischlichen Israel erkennen in Jesus den verheißenen Christus. Wie zur Zeit des Elia, als Gott sich nur siebentausend Mann aus Israel als die Seinen übrigließ, „so geht es auch jetzt zu dieser Zeit, dass einige übriggeblieben sind nach der Wahl der Gnade.“ Die Juden, die an Jesus als an den verheißenen Christus glauben, stehen unter Gottes Verheißung an Abraham, Isaak, Jakob, Juda und David (vgl. Röm. 2, 28.29). In dieser Weise hat die ewige Erwählung Israels Bestand und ist Gott seinem Bund treu.

 

Der Apostel Paulus macht das Geschehen an einem Bild klar (Röm. 11, 16 ff.). Israel, das Volk Gottes, ist vergleichbar einem kultivierten Ölbaum. Seine Wurzel ist heilig, denn sie ist die Erwählung, Gabe und Verheißung Gottes. Durch diese Wurzel sind die Zweige des Ölbaumes geheiligt. Die Zweige der Unfruchtbarkeit und des Unglaubens aber wurden herausgebrochen und andererseits etliche wilde Ölzweige eingepfropft. - Die Mehrzahl der Juden hat die Verheißung und Erfüllung in Jesus Christus nicht geglaubt und ihn verworfen. Sie wurden als Zweige herausgebrochen. Aber Menschen aus den Heidenvölkern haben sich Jesus Christus im Glauben ergeben und so Gottes Verheißungen an Israel erlangt. Durch ihren Christus-Glauben sind sie Glieder des Volkes Gottes, des geistlichen Volkes des neuen Bundes geworden.

 

Den eingepfropften wilden Ölzweigen sagt Paulus warnend, wenn ihr nicht im Glauben an Christus bleibt, werdet auch ihr herausgebrochen und abgehauen werden. Und über die abgehauenen Ölzweigen des fleischlichen Israels sagt er, wenn diese zum Glauben an Christus kommen, werden sie auch wieder eingepfropft. Wie viele wilde Ölzweige (Heiden) durch den Glauben noch eingepfropft oder auch wegen ihres zwischenzeitlich eingetretenen Unglaubens wieder herausgebrochen werden, liegt im verborgenen Ratschluss Gottes. Und ebenso entscheidet Gott, wie viele Nachkommen der der einmal herausgebrochenen natürlichen Ölzweige (Juden) durch den Glauben an Jesus Christus wieder eingepfropft werden. Durch die Zeiten hindurch und auch am Ende steht da nur der eine Ölbaum – das eine Volk Gottes - mit seiner göttlichen Wurzel und seinen Zweigen aus den Juden und den Heidenvölkern. „So - auf diese Weise - wird ganz Israel gerettet werden.“

 

Ob aus Röm. 11, 25 – 32 die Verheißung einer allgemeinen Judenbekehrung am Ende der Zeit zu entnehmen ist, lasse ich dahingestellt. Dies würde nur zutreffen, wenn man unter „ganz Israel“ nur das fleischliche Israel, das Volk der Juden, verstehen müsste. Paulus schreibt doch aber zuvor, dass nicht alle Israeliten sind, die von Israel stammen, sondern nur die, die in der Verheißung leben (Röm. 9, 6). Und weiter schreibt er, dass Israel nicht verstoßen sei, wenn auch wie zur Zeit Elias, nur 7000 Mann übrig geblieben sind. Es spricht als viel mehr dafür, dass mit „ganz Israel“ in Röm. 11, 26, das Volk des neuen Bundes, nach dem Bild des Ölbaumes gemeint ist.

 

Falsche Schlussfolgerungen aus dem Verständnis, dass das ganze fleischliche Israel gerettet werden würde:

  1. Wenn am Ende der Zeit das ganze fleischliche Israel gerettet würde, dann hätten die Juden ihre eigene besondere Heilszusage, ihren eigenen Heilsweg und man brauchte ihnen Jesus Christus nicht zu verkündigen. Aber Paulus schreibt, dass Juden in dieser Weise keinen Vorzug haben (Röm. 3, 9; 10, 11-13).

     

  2. Wenn am Ende der Zeit die Juden alle Jesus als ihren Christus erkennen würden, dann bliebe noch die Frage, wie es um das Heil der gegenwärtig lebenden Juden und der bis zu allgemeinen Judenbekehrung verstorbenen Juden bestellt ist. Denen gegenüber gilt doch uneingeschränkt der Missionsauftrag Christi (Mt. 10, 6.23; 28, 19.20).

     

  3. Macht man das Ende der Zeit und die Wiederkunft Christi von einer vorherigen allgemeinen Judenbekehrung abhängig, dann könnte der Herr Christus noch nicht so bald und auch nicht überraschend kommen. Jesus aber mahnt wiederholt, dass wir darauf vorbereitet sein sollen, dass er jeden Tag kommen könne!

    Viele, die von einer besonderen eigenen Heilszusage für das fleischliche Israel ausgehen, schauen unkritisch und bewundernd auf den heutigen Staat Israel, obwohl dessen Bevölkerung und Führung vorwiegend säkular und nationalistisch expansiv denkt, redet und handelt. Eine Bewegung zur Buße und zu Christus hin ist kaum erkennbar. Messianische Juden haben nur marginale Bedeutung und müssen sich staatlicher Benachteiligung erwehren. Trotz alle dem sieht man im Staat Israel eine Art Wegbereiter und Wegweiser des Heils und hält die religiösen Juden für die „älteren Glaubensgeschwister“, von denen man vieles von ihrer Frömmigkeit und ihren religiösen Festen lernen könne. Dabei gerät dann mitunter Jesus Christus aus dem Zentrum des eigenen Glaubens und der eigenen Frömmigkeit. Es kann deshalb von einem „christlichen Zionismus“ gesprochen werden, der sich auf die Verheißungen des Alten Testaments an Israel beruft und ihre abschließende geistliche Erfüllung in Jesus Christus und seinem Neuen Bund nicht erkennt und zwei Heilswege propagiert.

 

Gottes Auserwählung Israels wurde und wird auch missverstanden, wenn nicht erkannt wird, dass sie Auftrag und Verpflichtung in sich trägt. Mit dem Bund hatte sich Israel zum strikten Gehorsam gegen Gott und seine Gebote verpflichtet. Israel sollte so gottgefällig leben, dass die Heidenvölker darüber aufmerken. Es sollte mit seinem Leben, Handeln und seiner Gottesfurcht vor den Völkern den einzigen wahren Gott ehren und bezeugen. Israel war zum Träger, zum Gefäß, des Heils für alle Völker ausersehen (Röm. 3, 2; 9, 4-6). Deshalb waren Missgunst und Feindschaft der Heidenvölker gegenüber dem Gottesvolk Israel zugleich Misstrauen und Feindschaft gegen Gott. Davon lesen wir im Alten Testament immer wieder.

 

Aber auch Israels Sich-in-absoluter-Sicherheit-wiegen aufgrund seiner Auserwählung und seine Unbußfertigkeit (vergebliche Bußrufe der Propheten, von Johannes dem Täufer, von Jesus und seinen Aposteln) waren und sind Ungehorsam und Sünde gegen Gott. Das zog zur Zeit des Alten Testaments Gottes Zorn und Strafe nach sich und nach der Verwerfung Jesu Christi wurden die Zweige des jüdischen Unglaubens aus dem Ölbaum, dem Volk Gottes, herausgebrochen.

 

Dies wird heute leider weithin als eine falsche, feindselige "Enterbungslehre" (= Substitutionslehre) hinsichtlich Israels diffamiert. Israel ist aber nicht enterbt, sondern 70 n. Chr. durch's Gericht gegangen und durch die Heidenmission erweitert worden! Die christusgläubigen Juden und die Christus-gläubigen aus den Heidenvölkern sind nun zusammen das erneuerte geistliche Bundesvolk Israel.

Der Apostel Paulus schreibt an die heidenchristliche Gemeinde (Gal. 3, 29): "Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

 

Gott vergleicht sein Verhältnis zu seinem Volk auch immer wieder mit dem Verhältnis von Bräutigam und Braut. Allein aus Liebe hat Gott Israel auserwählt. Dieser Ratschluss und diese Liebe Gottes sind Gottes Geheimnis und unergründlich. Sie lassen sich nicht rational erklären, so wie sich eben auch die Liebe zwischen einem Brautpaar nicht rational erklären lässt. Wendete sich Israel aber fremden Göttern zu, was immer wieder geschah, so war das Untreue und Hurerei der Braut Israel, was Gottes gerechten Zorn und Strafe nach sich gezogen hatte. Von Gott als dem Bräutigam und Israel als der untreuen Braut berichten die Propheten Jesaja, Jeremia und Hesekiel.

 

Als in Erfüllung des Alten Testaments Gott in seinem Sohn in die Welt gekommen ist, ist er nun der Bräutigam und seine Braut sind seine Jünger, seine Gemeinde, sein auserwähltes Volk des neuen Bundes (Mt. 9, 15; Mk. 2, 19.20; Lk. 5, 34.35; Joh. 3, 29). Und wie ein Bräutigam wird Jesus wiederkommen, um seine Braut – seine Gemeinde / Kirche – zu sich zu holen (Mt. 25,1ff.). Gottes auserwähltes Volk des Neuen Bundes, die Gemeinde / Kirche Jesu, das ist die Braut Jesu Christi. Und Gott hat nicht zwei Bräute, sondern da ist nur die eine Braut Christi! Einen entsprechenden Artikel schrieb Robert Spaemann, der bekannte römisch-katholische Philosoph und Berater des ehemaligen Papstes Benedikt XVI., in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 20.4.2009 mit der Überschrift: „Gott ist kein Bigamist“.

 

 

Detlef Löhde

 

Siehe auch

Welche Bedeutung hat der Staat Israel für den Glauben eines Christen?

 

Lesehinweis:

"Das Neue Testament und Israel"

- Die Bedeutung des jüdischen Volkes für die Christen -", von Volker Gäckle, Brunnen-Verlag 2009

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