Zerstreuung Israels und die jüdische Diaspora

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Biblische Zeiten und Antike

926 v. Chr., nach dem Tod König Salomos, verweigerten die nördlichen 10 Stämme Israels dem Sohn Salomos, Rehabeam, die Anerkennung als ihren König und schlossen sich zu einem konkurrierenden „Nordreich Israel“ mit der Hauptstadt Samaria zusammen - 1. Kön. 12; 2. Chr. 10

Beim Königshaus David verblieben nur der Stamm Juda und der kleine Stamm Benjamin, die im „Südreich Juda“ mit der Hauptstadt Jerusalem leben. Die Bewohner des Südreiches bezeichnen sich nun als „Juden“.

Das Nordreich Israel war bevölkerungsmäßig, wirtschaftlich und militärisch dem Südreich Juda weit überlegen.

 

Gottes Gerichte über Israel:

722 v. Chr. eroberten die Assyrer das Nordreich Israel, deportierten die 10 Stämme nach Assyrien und siedelten Bewohner von Babel im ehemaligen Nordreich an – 2. Kön. 17, 6.24. Die 10 Stämme Israels haben sich in Assyrien so weitgehend assimiliert, dass sie geschichtlich und religiös untergegangen sind. Man spricht von den „10 verlorenen Stämmen Israels“. Legendenhaft wird spekuliert, wo und als welche Völker sie eventuell doch noch fortexistieren würden.

 

586 v. Chr. eroberten die Babylonier das Südreich Juda mit Jerusalem, zerstörten den Tempel und deportierten die Mittel- und Oberschicht der Juden nach Babylonien.

 

539 v. Chr. ließen die Perser, die die Babylonier besiegt hatten, die deportierten Juden nach Jerusalem und Judäa zurückkehren. Aber nicht alle gingen zurück nach Judäa, etliche Juden blieben im persischen Babylonien.

 

Nach den verlorenen jüdischen Aufständen gegen die Römer (70 n. Chr.; 135 n. Chr.) verlagerte sich sogar der theologische Schwerpunkt des Judentums hierher. So wurde im persischen Babylon der theologisch maßgebende „Babylonische Talmud“ ab dem 2. Jahrhundert verfasst.

 

 

 

Einige Juden zogen im persischen Reich weiter über die Seidenstraße und siedelten in Buchera, Samarkand und Usbekistan. Einige zogen nach Südwesten auf die arabische Halbinsel. Andere verdingten sich in der persischen Armee und siedelten als Militärkolonie in Ägypten, auf der Nil-Insel Elephantine.

 

Ab 300 v. Chr., von der Weltoffenheit und den Verkehrswegen im Zeitalter des Hellenismus und des folgenden Römischen Weltreiches inspiriert, wanderten viele Juden aus wirtschaftlichen Gründen aus dem kargen Judäa aus. Ziele waren Alexandrien in Ägypten, nordafrikanische Küstenstädte, die hellenistisch geprägten Städte Kleinasiens (heutige Türkei), Rom und alle Städte im Römischen Reich. Im Ausland hellenisierten und assimilierten sich die Juden zwar weitgehend, hielten aber an ihrem religiösen Judentum fest und erhielten damit ihre verbindende Identität. Zu den hohen jüdischen Feiertagen reisten immer etliche zum Tempel nach Jerusalem. Anlässlich der Pfingstpredigt des Petrus hören wir von dem sehr unterschiedlichen Herkommen der Zuhörerschaft (Apg. 2).

 

Als im Jahr 70 n. Chr. die Römer im Jüdischen Krieg den Tempel und Jerusalem zerstörten und erneut im Jahr 132 - 135 n. Chr. den jüdischen Bar-Kochba-Aufstand niederschlugen, kamen 1, 1 Millionen Juden um und 100.000 wurden als Sklaven nach Rom verschleppt, etlichen gelang die Flucht in die bestehenden jüdischen Kolonien im Römischen Reich oder den im Perserreich.

Nur wenige Überlebende blieben, vor allem in Galiläa und in Siedlungen in Hauran, am Golan, in Aschkalon und En Gedi. Aber das Betreten von Jerusalem wurde den Juden unter Androhung von Todesstrafe verboten. Jerusalem wurde von den Römern umbenannt in Aelia Capitolina. Auf dem Tempelberg wurde ein Jupitertempel errichtet.

 

 

Mit der Ausdehnung des Römischen Reiches, seinen Militärkolonien und neuen Städten folgten dem auch jüdische Sklaven, Händler und Flüchtlinge.

Auch auf der römisch beherrschten Iberischen Halbinsel sammelten sich Juden. Sie nahmen an, in diesem Gebiet läge das Sefarad nach Obadja 20, bezeichneten sich die dorthin ausgewanderten Juden als "Sephardim". Sie entwickelt eine eigene iberisch geprägte Kultur und Frömmigkeit. Doch wurden sie in der Zeit von 1492 – 1513 aus Spanien und Portugal ausnahmslos vertrieben. Sie flüchteten zumeist nach Nordafrika und ins Osmanische Reich, wozu auch Palästina gehörte und übernahmen einen orientalischen Lebensstil. Bis heute bezeichnen sich Juden, deren Vorfahren aus Spanien oder Portugal stammen und dann weiter in den Orient geflüchtet sind, als Sephardim.

Über Rom kamen viele Juden nach Köln und in die Rheinstädte aber auch nach Paris und Orlean. In der Annahme, dass die Germanen Nachkommen von Aschkenas seien (1. Mose 10, 3), nannten sie deren Gebiete Aschkenas. Und die Juden, die dort lebten, bezeichneten sich selbst als "Aschkenasim".

 

Mittelalter und Neuzeit

Im Zuge der Christianisierung der Slawen, der Kolonialisierung, Städtegründung und Staatenwerdung in Osteuropa zogen viele Aschkenasim, mitunter angelockt von zugesagten Privilegien, nach Osteuropa und entwickelten dort die jiddische Kultur und Frömmigkeit in separierten Stadtteilen und Kleinstädten.

 

Im mittelalterlichen West- und Mitteleuropa kam es immer wieder zu Progromen und Vertreibungen. 1290 wurde alle Juden aus England, ab 1314 alle Juden aus Frankreich und im 15. Jahrhundert aus den kaiserlichen Reichsstädten und verschiedenen Fürstenterritorien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vertrieben. Viele der Vertriebenen entwichen nach Osteuropa.

 

Ab dem 19. Jahrhundert erfolgte aufgrund von Progromen und schlechter wirtschaftlicher Lage in Osteuropa und gleichzeitiger Liberalisierung in Mittel- und Westeuropa eine teilweise Rückwanderung von Juden nach Mittel- und Westeuropa und auch eine Auswanderung in die USA.

Um den in Deutschland ab 1933 begonnenen Diskriminierungen und den exzessiv ab 1938 folgenden Verfolgungen, Deportationen und der millionenfachen Ermordung zuvorzukommen bzw. zu entkommen, emigrierten viele Juden, vor allem in die USA und nach Palästina.

 

Bis heute bezeichnen sich Juden, deren Vorfahren aus Deutschland und Osteuropa stammen und jiddisch geprägt waren und sind, als Aschkenasim. Sie machen ca. 80 % der Juden aus. Aschkenasim haben 1897 die Zionistische Bewegung zur Rückwanderung und 1948 den Staat Israel gegründet und weitgehend geprägt. Seit der Staatsgründung wanderten und wandern bis heute viele Juden aus Osteuropa nach Israel ein.

 

Nach den Römisch-Jüdischen Kriegen verschlug es aber auch Juden auf die auch unter römischer Herrschaft befindliche Iberische Halbinsel. In der Annahme,

 

 

Derzeit weltweit ca. 13, 155 Mio. Juden, (10 Mio. Aschkenasim)

davon in

 

Israel           5, 26 Mio.

USA             5, 3 Mio.

 

Frankreich       490.000

Kanada            375.000

Großbritannien 293.000

Deutschland     120.000

sonstige Länder 1,172 Mio.

 

 

 

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